Ökonomische Hintergründe der Agenda 2010
Diskussionsveranstaltung mit Werner Rätz 



 
 
Donnerstag, 11. März 2004
19.30 Uhr
Weltladen, Am Markt 7, Marburg

mit:

Werner Rätz, attac-Kampagne "Genug für alle"




Gegenwärtig erleben wir die Zerschlagung des bundesdeutschen Sozialstaates, die euphemistisch mit dem Begriff "Reform" belegt wird. Kernstück der Agenda 2010 ist erklärtermaßen die dauerhafte Absenkung der Lohnnebenkosten und damit auch der Löhne selbst. So wird die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe zunächst zu massenhafter Armut unter den Arbeitslosen und zur Etablierung von Arbeitsdienst führen. Dadurch nimmt der Druck auf die Löhne der Beschäftigten zu, während die Gewerkschaften weiter geschwächt werden. Aber auch die Kranken- und die Rentenversicherung werden durch andauernde "Reformen" Stück für Stück ausgehöhlt. Dass die Krankenversicherung im Krankheitsfall nicht mehr ausreichend schützt, erleben wir durch die massiv gestiegenen Zuzahlungen seit Beginn dieses Jahres. Viele befürchten, dass auch die Rente in Zukunft höchstens noch das Existenzminimum abdeckt.

Werner Rätz ist Mitarbeiter bei der Informationsstelle Lateinamerika (ila), Mitglied des Koordinierungskreises von attac-Deutschland und engagiert sich in der attac-Kampagne "Genug für alle", die sich gegen den Abbau der sozialen Sicherungssysteme wendet. Er wird in seinem Vortrag auf die ökonomischen Hintergründe der Agenda 2010 eingehen. Stimmt es, dass die Globalisierung und die demographische Entwicklung den Sozialabbau unvermeidlich machen? Gibt es Alternativen? Ist eine Neuauflage der keynesianischen Politik auch unter den Bedingungen der Globalisierung denkbar oder ist der neoliberale Kapitalismus nicht mehr zu reformieren? Ist eine andere sozialere Gesellschaft möglich?

Im zweiten Teil des Vortrags geht es darum, wie diese Alternativen erreicht werden können, also um Perspektiven und Strategien des Widerstandes. Welche Wirkung haben Demonstrationen heute noch? Haben politische Streiks ihre Berechtigung? Wie ist das Verhältnis von sozialen Bewegungen und politischen Parteien in der Bundesrepublik? Werner Rätz wird die Situation der sozialen Bewegungen in der Bundesrepublik auch mit derjenigen in Frankreich und Italien vergleichen, wo der Widerstand gegen Sozialabbau weitaus stärker ist, als in der BRD.


Veranstalterin: attac Marburg, unterstützt von DFG-VK Marburg u. a.