Bundesweite Demonstration am 13. Oktober 2001

Im folgenden weisen wir auf die geplante bundesweite Demonstration hin. Der Trägerkreis dazu traf sich am 28.9. in Berlin und verabschiedete den weiter unten zitierten Aufruf, dem wir einen Bericht über dieses Treffen voranstellen ("Liebe Friedensfreundinnen und -freunde..."). DFG-VK Marburg.



 
 
13. Oktober 2001
Großkundgebung in Berlin 13 Uhr Auftakt am Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus Anschließend Demonstration 14.30 bis 16.30 Schlusskundgebung am Gendarmenmarkt

Liebe Friedensfreundinnen und -freunde,

nach einer nicht ganz unkomplizierten Diskussion haben wir auf der in Kassel verabredeten Sitzung in Berlin (rund 45 Teilnehmer) den Fahrplan für die bundesweite Demonstration und Kundgebung in Berlin am 13. Oktober festgelegt. Die Demonstration in Stuttgart am selben Tag wird vom Friedensnetz Baden-Württemberg in eigener Regie vorbereitet. Die Freunde in Stuttgart haben auch schon den beim Kasseler "Ratschlag" verabschiedeten Aufrufentwurf für ihre Zwecke redigiert (und wie ich finde wirklich verbessert).

Es entzieht sich im Moment meiner Kenntnis, wie es mit der in München geplanten Kundgebung (im Rahmen globaler Aktionen zum Thema US-Raketenabwehr) weitergeht: Ob sie sich an Stuttgart anschließt oder ob sie in München wie geplant stattfinden wird. Unklar ist auch, was aus dem Nürnberger Vorhaben wird, am 13. Oktober eine Demo gegen den Berlusconi-Besuch in der Stadt zu veranstalten.

Nun zum Aufruf: Da wir aus der Kasseler Aktionskonferenz den Auftrag mitgenommen hatten, den dort verabschiedeten Aufruf nur noch redaktionell zu überarbeiten (auf Grundlage der in Kassel gemachten Vorschläge), haben wir uns weitgehend an die Vorlage gehalten und - ähnlich wie die Baden-Württemberger - nur wenige Ergänzungen/Streichungen und Veränderungen vorgenommen. Dass das trotzdem ein langwieriges Geschäft war, liegt einmal daran, dass solche Diskusionen immer eine gewisse Eigendynamik entwickeln, zum anderen waren wir natürlich mit der Tatsache konfrontiert, dass in den letzten Tagen die Entwicklung weiter gegangen ist und manche der Meinung waren, die aktuelle Lage käme in dem Aufruf nicht zum Ausdruck. Es setzte sich aber doch die Meinung durch, dass der Aufruf der weltpolitischen Situation, die sich ja nicht von einem Tag auf den anderen ändert, durchaus angemessen sei. Am Schluss wurde der jetzt vorliegende Aufruf ohne Gegenstimme bei einer Handvoll Enthaltungen angenommen. (Der Aufruftext folgt weiter unten.)

Zur Demo und Kundgebung: Nicht minder kompliziert war die Diskussion über die Gestaltung der Berliner Demo. Aber auch hier gelang es am Ende ein tragfähiges und von (fast) allen akzeptiertes Konzept auszuarbeiten. Wichtig ist einmal der zeitliche Rahmen. Da eine bundesweite Demonstration auch davon lebt, dass Menschen aus allen Regionen des Landes nach Berlin und am selben Tag wieder zurück kommen müssen, wurde folgende zeitliche Begrenzung festgelegt: 13 Uhr Beginn mit einer (vielleicht zwei) Auftaktkundgebung(en) - 14.30 Uhr Beginn der Hauptkundgebung - 16.30 Schluss. Über Demoroute usw. befindet die Berliner Friedensbewegung (Treffen Sonntagabend). Wichtig ist zweitens das Spektrum, das bei einer solchen bundesweiten Manifestation repräsentiert sein muss: Von der Friedensbewegung im engeren Sinn über die Globalisierungskritiker, die Kirchen, die Gewerkschaften, Demokratrie- und Menschenrechtsgruppen und ausländischen Organisationen bis zu Schülern/Studierenden und anderen jungen Menschen, die in den letzten Tagen in vielen Städten selbst aktiv geworden sind. Zur Zeit sind wir dabei die vielen Anregungen und Vorschläge über Redner/innen abzuarbeiten. Zu diesem Zweck trifft sich ein kleinerer Kreis am Montag in Kassel.

Das Wichtigste wird sein, dass die lokalen Initiativen ab sofort vor Ort für die Demo in Berlin zu werben beginnen und organisatorische Vorkehrungen treffen, dass möglichst viele dorthin kommen. (Für Stuttgart gilt selbstverständlich dasselbe.) D.h. beginnt Flugblätter zu drucken, Busse anzuheuern, zu eruieren, inwieweit die Eisenbahn das geeignete Transportmittel ist usw. Und nutzt die nächsten zwei Wochen, vor Ort weitere Initiativen, Gespräche, Veranstaltungen bis hin zu Mahnwachen und Kundgebungen durchzuführen, auf denen für Berlin (in Süddeutschland für Stuttgart) geworben werden kann.

Mit den besten Grüßen Peter Strutynski
 


Aufruf zu bundesweiten Demonstrationen und Kundgebungen am 13. Oktober 2001 in Berlin und Stuttgart

Kein Krieg! Aufstehen für den Frieden! Für Solidarität und soziale Gerechtigkeit!

Der Schock nach den Attentaten von New York und Washington sitzt noch immer tief. Unsere Anteilnahme und Solidarität gilt den Angehörigen der Opfer dieser menschenverachtenden Taten.

Selbstverständlich müssen die Schuldigen ermittelt und mit rechtsstaatlichen Mitteln zur Verantwortung gezogen werden. Es darf aber keine Vergeltungsschläge oder andere Militäraktionen gegen irgendein Land geben, weil diese sich immer auch gegen die Zivilbevölkerung richten. Wir warnen vor einer Aufspaltung in eine "zivilisierte" und eine "unzivilisierte" Welt. Das würde die Gräben nur noch weiter vertiefen.

Ein neuer Krieg vergrößert das Leid unschuldiger Menschen und bringt neuen Hass und neuen Terror hervor. Schon jetzt hat die Androhung militärischer Gewalt zu millionenfachem Flüchtlingselend in Afghanistan geführt. Mehr denn je gilt: Krieg kann keine Konflikte lösen.

Langfristig wird der Terrorismus nur zu bekämpfen sein, indem ihm der wirtschaftliche, soziale politische und ideologische Nährboden entzogen wird, auf dem er gedeiht.

Kein Raketenabwehrsystem, keine noch so gut gerüstete Armee und keine noch so großen inneren Sicherheitsmaßnahmen werden uns vor den neuen Formen des Terrors schützen können. Mehr Sicherheit erreichen wir nur durch Abrüstung, den Ausbau ziviler Konfliktlösungsinstrumente, die Stärkung des internationalen Rechts und durch mehr soziale, ökologische und wirtschaftliche Gerechtigkeit in der Welt.

Lassen wir nicht zu, dass in unserer Gesellschaft das friedliche Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen zerstört wird. Wehren wir uns gegen Tendenzen, unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung immer mehr Grund- und Freiheitsrechte einzuschränken (z.B. durch die geplante erweiterte Rasterfahndung, verschärfte Kontrollen, Bespitzelung der Bevölkerung).

Wir sagen NEIN zu Vergeltung, Krieg und Militäreinsätzen. Wir sagen NEIN zu militärischen Einsätzen der Bundeswehr. Wir sagen NEIN zur Aufrüstung der Bundeswehr als Interventionsarmee. Keine Demontage- von Grund- und Freiheitsrechten! Gegen Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Ausgrenzung! Tragen wir dazu bei, die Spaltung der Welt zu überwinden.

13. Oktober 2001

Großkundgebung in Berlin 13 Uhr Auftakt am Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus Anschließend Demonstration 14.30 bis 16.30 Schlusskundgebung am Gendarmenmarkt
 
 

Nachrichtlich:
In Stuttgart: 10 Uhr Mahnwache am EUCOM 12.30 Uhr Auftakt Hauptbahnhof Stuttgart 13 Uhr Demonstration zum Schlossplatz 14 Uhr Kundgebung Schlossplatz