Eine bundesweite Veranstaltungsreihe von DFG-VK und Connection
e. V. mit Vertreterinnen und Vertretern der israelischen Friedensorganisation
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17. April 2002 Café am Grün, Am Grün 28, Marburg 20.30 Uhr mit Keren Assaf |
Im Rahmen einer bundesweiten Rundreise, die von Connection e.V. in Offenbach
organisiert wird, ist am 17. April Keren Assaf von der israelischen Organisation
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Profile bei uns in Marburg zu Gast. Im folgenden finden sich einige
inhaltliche Positionen dieser vor dreieinhalb Jahren von Frauen gegründeten
Gruppe. Außerdem schließt sich eine Auflistung aller in der
Bundesrepublik geplanten Veranstaltungen mit Vertreterinnen und Vertretern
von New Profile an. Wer den Marburger Termin nicht wahrnehmen kann,
sei ersatzweise auf die Veranstaltungen in Hessen und im hessischen Umfeld
hingewiesen: Mainz am 15.4., Eschwege
am 17.4., Darmstadt am 18.4, Frankfurt
am 22.4 und
Kassel ebenfalls am 22.4.2002.
Am 27. Januar 2002 sprach R. Friedrich mit Keren Assaf. Wir haben
aus dem einstündigem Gespräch einige Auszüge entnommen,
um damit den Gruppen einen Eindruck zu vermitteln. Die Auszüge ersetzen
keine ausführlichere Analyse der angesprochenen Themen.
Osloer Vertrag und anschließende Verhandlungen
Die Vereinbarung von Oslo war nicht wirklich perfekt. Sie war sehr problembehaftet und paternalistisch. Aber es verband sich damit eine Hoffnung. Die Menschen lebten mit dem Gefühl, dass dies nach all dem Leiden eine Lösung sein könne.
Allerdings ergaben sich für die PalästinenserInnen aus den Verträgen keine Verbesserungen. Die Verträge wurden zudem von Israel nicht wirklich eingehalten. Die Siedlungspolitik wurde verschärft, es kamen mehr und mehr Siedler in die besetzten Gebiete. Dennoch dachte die israelische Bevölkerung weiterhin, dass alles im Sinne der Palästinenserlnnen gelöst sei. Sie wussten nichts von deren Realität, sie wissen nicht, wie diese leben müssen, verstehen ihre Sprache nicht, die meisten wissen nichts über deren Leben.
Meines Erachtens wollte Rabin den Vertrag in die Tat umsetzen. Er hatte aber nicht daran gedacht, was es für die Menschen hier bedeutet und wie es umzusetzen sei. Die nachfolgenden Premierminister hatten kein Interesse daran, den Friedensprozess fortzuführen. Barak und Sharon schließlich wählten den einfacheren Weg: Sie sagten, dass die PalästinenserInnen den Krieg wollen.
Der Beginn der zweiten Intifada war ein wirklicher Schock für viele.
Es ist zu einfach, für die zweite Intifada nur Sharon und seinen Marsch
auf den Tempelberg verantwortlich zu machen. Sein Marsch, der von Barak
nicht gestoppt worden war, war ein Auslöser. Letztlich gibt es aber
tiefere Ursachen. Die diskriminierende Politik begann schon vor über
fünfzig Jahren, setzte sich über die Kriege und Verhandlungen
fort. All das hat zur zweiten Intifada, zum jetzigen Krieg beigetragen.
Militarisierung der Gesellschaft
Die israelische Gesellschaft ist umfassend militarisiert. Wir sind immer von der Armee umgeben, auf der Straße, in den Bussen. Überall sind bewaffnete Soldaten zu sehen.
Die Gesellschaft war von Anfang an auf Militär gestützt. In den Schulen, den Medien, überall wird vermittelt, dass das Ergebnis des Krieges 1948 und die Gründung des Staates Israel ein Wunder gewesen sei. Wir wären so schwach gewesen und hätten mit den Waffen gewonnen. Wir hätten das Land wegen der großartigen Soldaten. Mit dieser Geschichte wuchsen wir auf.
Auch das Element der Angst ist tief verwurzelt. Das aus der Verfolgung der Juden resultierende Trauma führt dazu, dass die meisten Leute sagen, dass wir dem Rest der Welt zeigen müssen, wie stark wir sind und dass wir uns selbst verteidigen können. Wir hätten nun selbst die Macht dafür.
Ich denke nicht, dass sich die Menschen dessen immer bewusst sind, aber
es ist ein immerwährender Bestandteil der heutigen Politik. Und es
ist auch Bestandteil der israelischen Militärpolitik. Ständig
wird hier gesagt, dass die israelische Armee eine der besten Armeen der
Welt werden solle. Und es ist wirklich eine sehr professionelle Armee und
sie ist im Besitz von Atomwaffen. In der Gesellschaft herrscht die Auffassung
vor, dass die Armee nötig sei und ohne sie nichts zustande gebracht
werden könne. Die Menschen leben hier mit dem Gefühl, dass die
Armee sie beschützen könne. Ein Frieden sei nur mit einer starken
Armee zu haben, ansonsten würden wir angegriffen werden.
Chauvinismus
Alle Geschichten der israelischen Gesellschaft sind männerzentriert. Sie handeln von tapferen Soldaten, die das israelische Land 1948 vom Feind befreit haben und vom Wunder des Krieges 1967, als ein so kleines Land den Krieg gegen all die großen Länder gewinnen konnte. Es sind Geschichten, die den Kampf der Männer, die Macht der Waffen von Männern darstellen.
Es kommt immer wieder der Hinweis auf Golda Meir, die einige Jahre Premierministerin war. Sie hatte in dieser Funktion aber Werte vertreten, die Teil der Militärpolitik waren. Sie war für den Krieg 1973 verantwortlich, weil sie den möglichen Friedensabschluss ablehnte.
Und auch wenn Frauen in der Armee sind, so ist dies für die Armee
nützlich, um auf den Vorwurf des Chauvinismus zu antworten und zu
sagen: "Seht her, wir haben doch einen speziellen Kurs für
Frauen in den kämpfenden Einheiten." Dennoch gibt es viele Fälle
von sexuellen Übergriffen in der Armee, der Chauvinismus verweist
Frauen auf untergeordnete Aufgaben.
New Profile
New Profile wurde vor dreieinhalb Jahren von Frauen gegründet, die bereits in anderen Gruppen aktiv gewesen waren, den Frauen und Müttern für den Frieden, den Vier Müttern und anderen. In der Gruppe sind einige hundert Personen aktiv, die über das ganze Land verteilt sind.
New Profile will eine Alternative zur bestehender chauvinistischen, rassistischen und militarisierten Gesellschaft aufzeigen. Wir versuchen, die Akzeptanz des Militärs im Ausbildungssystem, bei den Medien, im politischen System und auch bei Wirtschaftsbetrieben abzubauen.
Es gibt eine andere Perspektive, insbesondere die Perspektive der PalästinenserInnen. Sie wird nirgends gezeigt, nicht in den Schulen, nicht im Fernsehen oder Radio, nicht in den Nachrichten. Wir versuchen, diese "schwache" Seite zu zeigen, auch die von anderen diskriminierten Gruppen, z. B. Emigranten aus Äthiopien oder Russland.
Es ist eine der größten Aufgaben, die Leute davon zu überzeugen, dass wir ohne Kämpfe stark sein können, und ohne den anderen Menschen ihre Rechte zu nehmen. Es gibt keinen Grund für die Kämpfe mit den PalästinenserInnen. Sie sind nur im Interesse der Politiker auf beiden Seiten. Die Rechte der palästinensischen Bevölkerung stehen aber nicht meinen entgegen. Das ist eines der Basisprinzipien von New Profile.
New Profile ist auch beim Kampf gegen die Besetzung engagiert und ist Teil der Frauenkoalition für Frieden, einem Zusammenschluss verschiedener Frauenorganisationen.
Wir versuchen, die Leute kritischer gegenüber der offiziellen Politik
zu machen, einen Prozess anzuregen, der ihnen erlaubt und ihnen das Recht
gibt, Kritik zu üben und eigenständig zu handeln. Die Kriegsdienstverweigerung
ist dafür ein Beispiel.
Kriegsdienstverweigerung
Die KriegsdienstverweigerInnen denken über ihr Handeln nach und bewerten es. Sie sagen: "Es ist nicht richtig, zur Armee zu gehen, obwohl es alle in meiner Klasse tun. Es ist nicht richtig, inmitten des Gaza-Streifens zu sein und Kinder zu erschießen, auch wenn der Premierminister sagt, dass es der Verteidigung unseres Landes dient. Es schützt nicht das, was ich schützen will, meine Familie und Freunde." Wenn alle denken, dass der Schutz des eigenen Lebens darin besteht, Dienst in der Armee abzuleisten, ist es hart, diese Entscheidung zu treffen. Wir versuchen, sie darin zu unterstützen.
Die meisten, die nicht zur Armee gehen, machen das nicht aus Gewissensgründen. Ich halte ihre Entscheidung aber dennoch für wichtig. In Israel ist die Situation sehr zugespitzt. So sehe ich jede solche Handlung als eine politische an. Jede/r KriegsdienstverweigererIn setzt eine andere Priorität und macht das, was er oder sie tun will.
Vor einigen Tagen gab es ein Schreiben von hohen Offizieren, dass sie den Dienst in den besetzten Gebieten verweigern. Das war zwar nicht das erste kollektive Verweigerungsschreiben. Schon vor einigen Monaten gab es einen anderen Brief von einigen Dutzend junger Leute, achtzehn Jahre alt, die etwas sehr ähnliches geschrieben haben. Das Schreiben der Offiziere hat allerdings eine größere Bedeutung in der israelischen Öffentlichkeit.
Insbesondere in den letzten Wochen, im Zusammenhang mit der Zerstörung von Häusern und einigen anderen Ereignissen, denken offensichtlich mehr und mehr, dass etwas verkehrt läuft, dass die Regierung und Armee möglicherweise nicht recht hat. Viele Leute beginnen, über Kriegsverbrechen zu reden.
Gespräch mit Keren Assaf vom 27. Januar 2002. Auszüge. Üöersetzung aus dem Englischen: R. Friedrich
New Profile: Grundsatzerklärung
Wir, eine Gruppe feministischer Frauen und Männer, sind davon überzeugt, dass wir nicht in einem Soldatenstaat leben müssen.
Heutzutage wäre Israel zu einer entschlossenen Friedenspolitik fähig. Es muss keine militarisierte Gesellschaft sein. Wir sind davon überzeugt, dass wir uns selbst, unsere Kinder und unsere PartnerInnen, nicht endlos mobilisieren lassen müssen. Wir müssen nicht als KriegerInnen leben. Wir haben gelernt, dass der Kriegszustand in Israel durch Entscheidungen der PolitikerInnen aufrecht erhalten wird - nicht durch ausländische Kräfte, denen wir passiv ausgesetzt sind. Während uns gelehrt wird, zu glauben, dass sich das Land einer Bedrohung außerhalb seiner Kontrolle gegenübersieht, stellen wir nun fest, dass der Begriff "nationale Sicherheit" oft verschleiert hat, dass wohl-kalkulierte Entscheidungen für den Einsatz des Militärs der Durchsetzung politischer Ziele diente.
Wir sind nicht länger bereit, dabei mitzumachen. Wir werden es ihnen nicht weiter durch unseren Gehorsam ermöglichen, sie auf unkritische Weise mit SoldatInnen, ihren Werkzeugen, zu versorgen. Wir werden uns nicht weiter mobilisieren lassen, nicht Kinder für die Rekrutierung großziehen, keine einberufenen PartnerInnen, Brüder, Väter unterstützen, während diejenigen, die für das Land verantwortlich sind, weiter fortfahren, leichtfertig die Armee einzusetzen, statt andere Lösungen aufzubauen.
Es ist schwer, heute eine solche Meinung in Israel zu vertreten. In einem Soldatenstaat gibt es gleiche und weniger gleiche Bürger: Oben auf der sozialen Leiter stehen die, die kämpfen. Und dies sind "unfehlbare" Männer. Zudem sind es in Israel jüdische Männer. Als Krieger erhalten sie privilegiertes Wissen und haben Vorrang bei Entscheidungen. Positionen, die Zweifel über die "Sicherheit" von Entscheidungen aufwerfen, den enormen Militäretat des Staates oder die andauernde Politik der militärischen Konfrontation in Frage stellen, werden als "naiv", "hysterisch" oder "ignorant" gebrandmarkt. Eine Haltung, die das grundsätzliche Prinzip, sich vom Militär erfassen zu lassen, in Frage stellt, ist in einem Soldatenstaat unverständlich. Sie wird als illegitim abgelehnt.
Unsere Position - die "ignorante" - ist frei von den Verstandesvorgaben, die für den seit Jahrzehnten fortdauernden Krieg verantwortlich sind. Es ist eine Position, die das Leben und den Schutz des Lebens in den Vordergrund stellt. Sie duldet stillschweigend schmerzhafte Kompromisse im Interesse des Schutzes von Leben. Die Herrschaftskultur in Israel nährt die Bewunderung für Macht und körperliche Tapferkeit, die Erhöhung von Juden und die Abwertung des Lebens von Arabern.
Das militarisierte Bewusstsein sieht die Option des Krieges als vernünftig an. Junge Menschen lassen sich erfassen und setzen ihr Vertrauen auf die Klugheit und Ehrlichkeit derjenigen, die für die Ableistung des Dienstes werben. Jeder von uns ist ihnen und sich selbst Rechenschaft schuldig. Jedes Elternteil ist aktiv an der Erziehung von Söhnen und Töchtern zu SoldatInnen beteiligt. Und doch gibt es viele Frauen und Männer, Eltern und Jugendliche, die zutiefst moralisch die andauernde Entscheidung Israels zum Krieg ablehnen. Wir widersetzen uns dem Gebrauch militärischer Mittel jenseits der Grünen Linie zur Aufrechterhaltung der israelischen Souveränität.
Wir lehnen den Gebrauch von Armee, Polizei und Sicherheitskräften bei der andauernden Unterdrückung und Diskriminierung der palästinensischen Bürger von Israel ab, die Zerstörung ihrer Häuser, die Verweigerung des Aufbaus und der Entwicklung ihrer Rechte, den Gebrauch von Gewalt, um ihre Demonstrationen aufzulösen. Es gibt seit vielen Jahren eine weitverbreitete Opposition zu der der israelischen Armee zugewiesenen Rolle, Tausende von jungen Frauen und Männern entziehen sich gegenwärtig der Wehrpflicht oder den Reservediensten. Etwa 25% der jährlichen Rekrutierungsjahrgänge werden gegenwärtig als untauglich eingestuft. Es ist allgemein bekannt, dass sich der größte Teil von ihnen entschieden hat, nicht zu dienen. Sie fühlen sich unfähig, sich mit der Tragweite und Bedeutung des heutigen Militärdienstes in Israel zu identifizieren. Ohne Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung, stellt sich die Ausmusterung praktisch als einziger Weg dar. Die Wahl, die Armee zu verlassen, ist sogar unter ReservistInnen weit verbreitet. Armeesprecher haben erklärt, dass nur ein Drittel der Reservekräfte tatsächlich aktiven Dienst ableisten. Wir alle wissen, wie stark unter ihnen der Wunsch besteht, den Dienst zu vermeiden ("Zwielichtverweigerung").
Derzeit erkennt das israelische Recht das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung bei Männern nicht an. Wir halten das israelische Wehrpflichtgesetz für diskriminierend und undemokratisch, und fordern die Anerkennung des grundlegenden Rechtes jeder Person, eingeschlossen der Männer, in Übereinstimmung mit ihrem Gewissen handeln zu können. Auch junge Frauen müssen sich einer erniedrigenden Befragung durch das militärische Komitee zur Prüfung von Ausnahmen unterziehen. Wir dringen auch für Frauen auf eine Revision der Verfahren zur Prüfung von Ausnahmen bei Gewissensgründen. Nach dem eigenen Gewissen zu handeln, ist das fundamentale Recht jedes Mannes und jeder Frau. Wir rufen zur Anerkennung des Rechtes von Männern und Frauen auf, ihre soziale Verantwortung in Form eines alternativen zivilen Dienstes auszudrücken, der innerhalb eines breiten Spektrums von Gemeinschaftsdiensten, inklusive von Arbeitsstellen bei nichtstaatlichen Organisationen, durchgeführt werden kann.
Wir weigern uns, unsere Kinder weiter mit dem Ziel aufzuziehen, die Einberufung als höchsten und vorherrschenden Wert anzusehen. Wir wollen ein grundlegend verändertes Ausbildungssystem, für eine wahrhaft demokratische zivile Erziehung, das Lehren von Praktiken des Friedens und der Konfliktlösung, anstatt Kindern beizubringen, die Einberufung und den Krieg zu akzeptieren.
Kontakt: New Profile, POB 48005, Tel Aviv 61480, Email: ghiller@haogen.org.il
New Profile: New Profile Charter, Juni 1999. Entnommen von der Homepage www.newprofile.org. Übersetzung aus dem Englischen: R. Friedrich
Die Botschaft überbringen, laut und deutlich
KDV-Aktivist Sergeiy Sandler berichtet über die anwachsende Welle der Verweigerung des Militärdienstes in Israel während der zweiten Intifada.
32 Menschen - das ist eine kleine Zahl. Eine Demonstration mit 32 TeilnehmerInnen verdient kaum den Namen. 32 Menschen wurden Israel seit Oktober 2000 wegen ihrer Weigerung Militärdienst aus Gewissens- oder politischen Gründen zu leisten, inhaftiert oder sonstwie bestraft.
32 mag alles in allem keine so kleine Zahl sein. Es ist sogar ein sehr große Zahl, wenn wir sie mit dem Vorjahr vergleichen - nur drei. Sie ist außerdem nicht so klein, weil sie eine größere Menge repräsentiert:
Es wird geschätzt, dass mehrere Hundert dieses Jahr von zwei Komitees befragt wurden, die eingesetzt wurden, um Fälle von Kriegsdienstverweigerung zu untersuchen. Im israelischen Recht gibt es einen KDV-Status nur für Frauen. Männer werden von ihrem Komitee, zusammengesetzt ausschließlich aus Militärpersonal, praktisch immer abgelehnt, und die meisten werden schließlich im Gefängnis landen.
Yesh Gvul, eine Organisation, die selektive politische VerweigererInnen unterstützt, berichtet, dass sie etwa 250 Anrufe von VerweigererInnen erhielten, die meisten sind ReservesoldatInnen, die sich aus politischen Gründen speziell weigern in den palästinensischen besetzten Gebieten zu dienen. Die meisten dieser VerweigererInnen landen nicht im Gefängnis, da die Armee irgendwann entscheidet, sie innerhalb der anerkannten Grenzen Israels zu stationieren. Trotzdem wurden einige von ihnen, einschließlich von sechs Unteroffizieren, bestraft.
Das Druse Initiative Committee, dass innerhalb der religiösen Gemeinschaft der Drusen für Kriegsdienstverweigerung eintritt, schätzt, dass nur 50% aller drusischen Männer letztlich Militärdienst leisten. Viele Mitglieder der religiösen Gemeinschaft der Drusen, die zur israelischen Armee einberufen werden, weigern sich in einer Armee zu kämpfen, die gegen ihre eigenes, palästinensisches, Volk kämpft. Die Militärbehörden verlangen von drusischen Verweigerern außergewöhnlich lange Zeiten hinter Gittern, bevor sie aus der Armee entlassen werden. Kürzlich bemerkte ein drusischer Aktivist, dass sein Dorf, mit wenigen tausend EinwohnerInnen, bereits mehr als 500 Jahre Militärgefängnis angesammelt hat.
Der Anstieg der Zahl erklärter Verweigerer markiert das Auftreten einer neuen Generation israelischer BürgerInnen, unabhängiger in ihrem Denken. 62 dieser jungen Menschen, im Alter zwischen 15 und 18, haben einen Brief an den israelischen Premierminister Ariel Sharon unterzeichnet, indem sie ihre Absicht erklären, die Beteiligung an der Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung zu verweigern. "Wir protestieren ihnen gegenüber gegen die aggressive und rassistische Politik, die von der israelischen Regierung und ihrer Armee verfolgt wird, und informieren Sie darüber, dass wir nicht beabsichtigen, uns an der Ausführung dieser Politik zu beteiligen", schrieben sie. Der Brief wurde am 2. September veröffentlicht und erhielt breite öffentliche Aufmerksamkeit. Seitdem haben weitere Jugendliche ihre Unterschrift hinzugefügt.
Als letztes leisten, nach Daten, die von der feministisch-antimilitaristischen Bewegung New Profile zusammengetragen wurden, nur 44% aller israelischen Jugendlichen ihren dreijährigen Wehrdienst vollständig ab. Dienst in der Reserve, in Israel immer noch Pflicht für alle Männer, wird nur von einer kleinen Minderheit geleistet. New Profile sieht diese Fakten als klaren Beweis für eine breite und wachsende Bewegung des Widerstandes gegen Einberufung in Israel an, die größtenteils außerhalb der öffentlichen Sichtbarkeit stattfindet. Die erklärte Verweigerung ist nur die Spitze des Eisberges.
Nicht alle diese Menschen, die keinen Militärdienst leisten, tun dies aus Gewissensgründen, oder teilen die moralischen und politischen Ansichten, die von erklärten Kriegsdienstverweigerern präsentiert werden. Trotzdem scheint es so, dass die meisten Israelis, selbst einige von denen, die Unterstützung für die schlimmsten Kriegsverbrechen zum Ausdruck bringen, schließlich daran scheitern, wenn es darauf ankommt, diese Verbrechen mit ihrer Taten zu unterstützen. Indem sie wegbleiben stimmen sie mit den Füssen ab, und ihre hohe Zahl führt dazu, dass sie eine signifikante Rolle spielen.
Und wie steht es um die erklärten Kriegsdienstverweigerer - bezogen auf ihre Zahl mag es eine marginale Gruppe innerhalb der israelischen Gesellschaft sein, doch sie bereiten den Weg für viele andere. Jeder Akt der Kriegsdienstverweigerung ist eine gelebte und öffentlich sichtbare Antithese zu dem angeblichen Konsens, der die Armee als Institution umgibt, und zu der kriminellen Politik, die von der israelischen Armee in Palästina umgesetzt wird. Jede Person, die sich weigert in der Armee zu dienen nimmt durch ihre Weigerung, automatisch die Entscheidungen der Generäle in der Armee und der Regierung zu unterstützen, am politischen Kampf gegen Militarismus in der israelischen Gesellschaft teil.
Außerdem wird die Botschaft, die vom Akt der Kriegsdienstverweigerung ausgeht, über die Grenzen Israels hinaus gehört, insbesondere und zu aller erst in der palästinensischen Gesellschaft. Kriegsdienstverweigerer, insbesondere jene, die für ihre Überzeugung inhaftiert werden, dienen als lebender und sehr wohl wahrgenommener Beweis für unsere PartnerInnen in der palästinensischen Gesellschaft, dass es in Israel noch immer Menschen gibt, mit denen sie kooperieren können, um eine gemeinsame moralische und politische Version zu erreichen.
Seit Beginn der Intifada wurde 32 Kriegsdienstverweigerern der Prozess gemacht; fast alle wurden inhaftiert. Faktisch ist dass doch keine so kleine Zahl.
New Profile, PO Box 48005, Tel Aviv, 61480, Israel, email: ghiller@haogen.org.il
aus: Das Zerbrochene Gewehr Nr. 53, November 2001
14.-28. April - Veranstaltungsreihe
Nahostkonflikt ohne Ende? - Antikriegsarbeit in Israel
Veranstaltungsorte und -termine
(Die Angaben entsprechen dem Stand vom 17. März 2002. Eine täglich
aktualisierte Liste findet sich auf http://www.Connection-eV.de).
Ahlen, Fr., 19. April, 20 Uhr, im Röteringshof, veranstaltet von Flüchtlingshilfe Ahlen in Kooperation mit der Beratungsstelle Bürgerzentrum
Berlin-Mitte, Fr., 26. April, veranstaltet von Baobab e.V. u.a.
Berlin-Spandau, Di, 23. April, 20 Uhr, im Paul-Schneider-Haus, Schönwalder Str. 23 in Berlin Spandau, veranstaltet vom Ökumenischen Zentrum für Umwelt-, Friedens- und Eine-Welt-Arbeit
Bochum, Mi., 17. April, im Bahnhof Langendreer, Wallbaumweg 108 in Bochum, veranstaltet vom Nord-Süd Büro im Bahnhof Langendreer
Bonn, Di., 23. April, 19.30 Uhr, im Frauenmuseum, Im Krausfeld 10 in Bonn, veranstaltet von: Bonner Friedensbüro, IPPNW Regionalgruppe Bonn/Rhein-Sieg, Frauennetzwerk für Frieden, Sektion der Helsinki Citizens Assembly, Deutsche Sektion, Internationales Frauenzentrum und AK Israel/Palästina, Eine Welt Forum Bonn
Braunschweig, Fr., 19. April, 19.30 Uhr in der Ev. Studierendengemeinde, veranstaltet von: Friedenszentrum e.V., Bündnis für Frieden, Ev. Studierendengemeinde und Ev. Stadtjugenddienst
Bremen, Do., 18. April, 20 Uhr in der St.-Stephani-Gemeinde, Faulenstr. 108 in Bremen; veranstaltet von Abrüstungsinitiative Bremer Kirchengemeinden (ARI), Bremer Friedensforum, Bremische Stiftung für Rüstungskonversion und Friedensforschung, BUKO - Kampagne "Stoppt den Rüstungsexport", Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Bremen, Meßstelle für Arbeits- und Umweltschutz (MAUS), Ökumenische Initiative, St.-Stephani-Gemeinde, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN/BdA)
Darmstadt, Do., 18. April, veranstaltet von AstA FH Darmstadt
Eschwege, Mi., 17. April, 20 Uhr, im Gasthaus "Zur Traube" in Eschwege, veranstaltet von amnesty international Eschwege, Bündnis 90/Die Grünen, FDP-Stadtverband Eschwege, SPD-Unterbezirk Werra-Meißner; unterstützt vom Kreisjugendring Eschwege
Frankfurt, Mo., 22. April, 20 Uhr, im Club Voltaire, Kleine Hochstr. 5 in Frankfurt/M., veranstaltet von: Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Frankfurt, Arbeitskreis Palästina/Israel Frankfurt und Bundeskoordination Internationalismus
Freiburg, Fr., 19. April, veranstaltet von: Freiburger Friedenswoche e.V. und Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Freiburg
Friedrichshafen, Fr., 26. April,, veranstaltet von: Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Friedrichshafen
Halle, Do., 18. April, veranstaltet vom Friedenskreis Halle e.V.
Heidelberg, So., 21. April, 19 Uhr, im Haus der Begegnung, Merianstr. 1 in Heidelberg, veranstaltet vom Kath. Dekanat
Kassel, Mo., 22. April, 19.30 Uhr, im DGB-Haus, Spohrstraße 6 - 8 (Innenstadt, Nähe Königsplatz), veranstaltet von: Kasseler Friedensforum und Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Kassel
Lahnstein, So., 14. April, 18 Uhr, öffentlicher Gottesdienst in der kath. Johanneskirche Niederlahnstein; Mo., 15. April, 19.30 Uhr, offenes Gespräch mit Interessierten im Johanneskloster - Haus Damian, Johannesstr. 36a in Niederlahnstein; veranstaltet von: Kath. Erwachsenenbildung - Bildungswerk Rhein-Lahn und Pax Christi Nassau-Lahnstein
Mainz, Mo., 15. April, 19.30 Uhr im Haus der Begegnung, Rheinallee 3d in Mainz, veranstaltet von: Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Mainz, Medieninitiative Mainz/Wiesbaden Radio Quer und Pax Christi Bistumsstelle Mainz
Mannheim, Mi., 24. April, 19.30 Uhr im Ökumenischen Bildungszentrum Sanctclara, B 5, 19 a; veranstaltet von: Friedensplenum Mannheim, Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Mannheim, Ökumenisches Bildungszentrum Sanctclara Mannheim, Die Grünen Kreisverband Mannheim
Marburg, Mi., 17. April, Café am Grün, Am Grün 28, 20.30 Uhr, veranstaltet von: Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Marburg
München, Do., 25. April, 19.30 Uhr im Eine-Welt-Haus, Schwanthalerstr. 80 in München (nähe DGB-Haus, U- und S-Bahn Hauptbahnhof), veranstaltet von: Helmut Michael Vogel Bildungswerk e.V. in Zusammenarbeit mit der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) München und dem Jugendclub Courage, Unterstützt von: Münchener Friedensbündnis, jüdisch-palästinensische Dialoggruppe, Palästinensischer Studentenverein München e.V., Pax Christi, Truderinger Frauen für Frieden und Abrüstung, Kulturreferat München u.a.
Münster, Di., 16. April, 19.30 Uhr, in der Ev. Studentengemeinde (ESG), Breul 43 in Münster, veranstaltet von: ESG, Projekt Freundschaft Birzeit e.V., AstA-FH - Antifa-Referat
Neubrandenburg, Do., 25. April,, veranstaltet von: Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Mecklenburg Vorpommern
Nottuln, Mo., 15. April, 20 Uhr, in der Alten Amtmannei, Kastanienplatz in Nottuln, veranstaltet von: Friedensinitiative Nottuln e.V. und dem Friedenskreis an der Anne-Frank-Gesamtschule Havixbeck e.V.
Pforzheim, Di., 16. April, 20 Uhr, im Gemeindehaus an der Stadtkirche, Rennfeldstr. 3, veranstaltet von der Evang. Erwachsenenbildung Pforzheim in Kooperation mit der Friedensinitiative Pforzheim, der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Pforzheim und dem Shalom-Kreis an der Stadtkirche (Eintritt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro)
Schwerin, Mi., 24. April, veranstaltet von: Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Mecklenburg Vorpommern
Weinheim, Di., 16. April, 20.00 Uhr, im Gemeindehaus der
Markuspfarrei, Ahornstraße, veranstaltet von: Forum Frieden im Kirchenbezirk
Ladenburg-Weinheim und Pax Christi Gruppe Weinheim
(Die Angaben entsprechen dem Stand vom 17. März 2002. Eine täglich
aktualisierte Liste findet sich auf http://www.Connection-eV.de).
Nähere Informationen bei:
Connection e.V., Gerberstr. 5
D-63065 Offenbach
Tel.: 069-82375534,
Fax: 069-82375535
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