Entwicklungsgeschichte des Militarismus

Ein Seminar mit Vortrag und Diskussion



 
 
Samstag, 23. März 2002
11.00 bis ca. 16.00 Uhr
Frankfurt, Raum der DFG-VK, Mühlgasse 13
(nächste U-Bahn-Haltestelle: Leipziger Str. (Linie U6 und U7)

Ein Seminar des DFG-VK-Bildungswerkes Hessen

mit:

Christoph Rosenthal




 

Ein Text zur Einführung in das Seminarthema wird an dieser Stelle einige Wochen vor dem Seminar eröffentlicht. Anmeldungen erbeten an DFG-VK Hessen, Mühlgasse 13, 60486 Frankfurt. Tel. 069-431440, Fax 069-499007, e-mail dfgvkhessen@t-online.de.
 

"Stehende Heere", d.h. ständig existierende Polizei und Armeen werden heute als normaler Bestandteil der politischen Verhältnisse empfunden, obwohl diese im neuzeitlichen Europa erst im 17. Jahrhundert aufkamen, als Voraussetzung wie als Folge des absolutistischen Totalitarismus. In dieser Veranstaltung soll die Entwicklungsgeschichte der Gewalt- und Macht-"Kultur auf dem Stand heutiger historischer und humanwissenschaftlicher Einsichten in einem straffen Abriss dargestellt und diskutiert werden.

Insbesondere soll berücksichtigt werden, dass bestimmte herkömmliche Vorstellungen und politische Theorien heute nicht mehr haltbar sind, dass z.B. die Macht- und Gewaltverhältnisse aus einer besonderen Aggressivität des Menschen entstanden wären oder Ausfluss des "Kapitalismus" wären, der vielmehr eine verhältnismäßig späte Phase verfahrener Kultur"-Entwicklungen darstellt und folglich ein hochentwickeltes Problempotential beinhaltet. Auch die These, dass sie Ausfluss des "Patriarchats" wären und sich mit Männlichkeit verknüpften, kann in der Form nicht aufrechterhalten werden.

Die Einsichten laufen vielmehr darauf hinaus, dass es die zivilistisch-zivilisatorische Friedensideologie war, die tödliche Konflikte im Kampf um begrenzte Ressourcen duch "gewaltfreie" Manipulationsstrategien (Rhetorik, Ideologie, soziale Diskriminierung, Tabus, "Erziehung" usw.) befriedeten und so die Formen biologischer Aggression in Formen kultureller Struktureller Gewalt verwandelten ("Autorität", Gesetze, Sanktionen, Exekutive usw.). Die tatsächlichen Aggressionen und Konflikte wurden verdrängt und verinnerlicht, d.h. es wurde neurotisiert. Da so die tatsächlichen Probleme nicht wirklich gelöst wurden, bedeutete diese "Friedensstrategie" den Einstieg in historische Teufelskreislogiken, wo die "Lösungen" immer neue Zwänge und Konflikte schufen, deren Bewältigung noch mehr "Gewaltbekämpfung" und Macht schufen, was noch mehr Zwänge und Konflikte schuf usw. Dies scheint die Kernlogik des zivilisatorischen "Fortschritts" zu sein: vom "Gewalt"-Tabu der Richter-Priester zu Polizei und den "Friedenstruppen", vom Jagdspeer zum Kampfspeer zu den Atomraketen, von den Städten zu Staaten zu Superstaaten: wo die anscheinend kleinen regionalen Krisenszenarien im Nahen Osten vor ca. 10.000 Jahren über Sumer - Ägypten über Persien über die "Griechen" über Rom über das kolonialistische Europa längst und definitiv die globalen Verhältnisse erreicht haben und wo nun aufgrund der "Grenzen des Wachstums" das Ende der Möglichkeit der Verdrängungsstrategie in Sicht ist.

Dieser Ansatz wendet sich gegen die "Wunderheiler"-Strategien, die ohne Kenntnisse der tatsächlichen Probleme "Lösungen" zu suggerieren versuchen. Genau dieser problematische Voluntarismus und Dilettantismus hat historisch jedoch die eigentlichen Probleme erst geschaffen. Will man wirkliche Lösungen, muss es heute unabdingbar darum gehen, wenigstens bzgl. der Grundlinien überhaupt erstmal eine zutreffende Diagnose der tatsächlichen Probleme aufstellen zu können und hierüber einen Konsens zu schaffen. Auf dieser Basis soll dann allerdings auch tatsächlich nach Lösungen gesucht werden.
 

Anmeldung über DFG-VK Hessen