Demonstration in Marburg am 24.3.2001
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Vor zwei Jahren, am 24. März 1999, begann mit der Beteiligung deutscher
Bomber am NATO-Angriff auf Jugoslawien der erste bundesdeutsche Krieg.
Sich mit diesem Krieg und mit der Art, wie er begründet wurde, noch
einmal auseinanderzusetzen, ist wichtig, weil er einen entscheidenden Schritt
hin zu einer militärischen Großmachtrolle Deutschlands, aber
auch der Europäischen Union allgemein darstellt. Die langfristige
Entwicklung der EU zu einer kriegsfähigen Weltmacht, die den USA in
nichts nachsteht, war eines der Ziele, die die europäischen Staaten
mit ihrer Beteiligung am Krieg verfolgten.
Aufrüstung
Truppenreduzierungen, wie derzeit in Stadtallendorf, haben einzig den
Zweck, Gelder freizumachen für den Umbau der Bundeswehr zur Interventionsarmee.
Bereits unmittelbar nach dem Krieg wurde eine erste Aufstockung der deutschen
Interventionstruppe "Krisenreaktionskräfte" von 53. 600 auf 60. 000
Soldaten beschlossen. Künftig sollen von insgesamt 255. 000 Soldaten
150. 000 in der inzwischen in "Einsatzkräfte" umbenannten Truppe dienen.
Auf dem EU-Gipfel in Köln am 3./4. Juni 1999 wurde der Posten des
Hohen Vertreters der EU-Außen- und Sicherheitspolitik eingerichtet,
auf den Javier Solana, während des Krieges gegen Jugoslawien NATO-Generalsekretär,
berufen wurde. Im Dezember 1999 folgte der Beschluß zur Aufstellung
einer EU-Interventionstruppe, deren Umfang inzwischen auf 60. 000
Soldaten, darunter 20. 000 aus Deutschland, festgelegt wurde. So werden
weitere Kriege vorbereitet. Eine öffentliche Debatte über diese
neue Kriegsgefahr fand bisher allerdings kaum statt.
"Humanitäre Intervention"
Die Kritik am Kampfeinsatz der Bundeswehr gegen Jugoslawien wurde von
der Regierung erfolgreich als unmoralisch abgekanzelt. Man führe "keinen
Krieg gegen das serbische Volk", sondern eine "humanitäre Intervention"
durch, um "einen Völkermord" zu verhindern.
Ein "humanitärer" Militäreinsatz, ein menschenfreundlicher
Krieg, ist ein Widerspruch in sich. Krieg ist grauenvoll und bedeutet immer,
daß Menschen massenhaft getötet, verstümmelt und in die
Flucht getrieben werden. Es hat jedoch eine lange Tradition zu behaupten,
die eigene Kriegführung diene der Durchsetzung "humanitärer Ziele"
– seit dem Kolonialismus ist dies gang und gäbe. Als die deutsche
Öffentlichkeit mit einer schrittweisen Beteiligung der Bundeswehr
an Militäraktionen an Kampfeinsätze gewöhnt wurde – dem
Krieg gegen Jugoslawien gingen der Einsatz von Bundeswehrsanitätern
in Kambodscha und Somalia und die Beteiligung von Tornado-Spionageflugzeugen
an den Luftangriffen gegen die bosnischen Serben im Herbst 1995 voraus
– spielte das Schlagwort von der "humanitären Intervention" von Anfang
an eine zentrale Rolle.
Folgen des Krieges für die jugoslawische Bevölkerung
Die Folgen des Krieges gegen Jugoslawien sind erst mit der Diskussion
über die Folgen des Einsatzes von Uranmunition in den Blick geraten,
wobei es allerdings fast ausschließlich um die möglichen Gesundheitsschäden
für Bundeswehrsoldaten ging. Die Folgen für die Bevölkerung
des Kosovo, die man doch angeblich befreien wollte, sind jedoch weit verheerender.
Die Gesamtzahl der Toten als Folge der NATO-Luftangriffe gegen Jugoslawien
liegt bei mindestens 23. 000. Hinzu kommt die systematische Zerstörung
von Industrieanlagen, öffentlichen Einrichtungen und Infrastruktur.
Heute geht der Krieg zwischen kosovoalbanischen Separatisten und serbischen
Polizeieinheiten weiter.
Inzwischen hat sich der Verdacht bestätigt, daß die Darstellung
der Ereignisse im Kosovo durch die rot-grüne Regierung zum größten
Teil aus bewußt in die Welt gesetzten Fehlinformationen bestand.
Lesen Sie hier also über die Lügen des letzten Krieges,
bevor die Lügen des nächsten Krieges in die Welt gesetzt werden!
Lüge 1: Bomben für die Flüchtlinge
Rudolf Scharping behauptete zu Beginn der Luftangriffe gegen Jugoslawien, die NATO wolle “den Menschen in Kosovo helfen”. Daß es keineswegs darum ging, belegen Berichte des Auswärtigen Amtes für Abschiebebehörden und Asylgerichte. In einem Bericht vom 18. November heißt es, die jugoslawische Regierung verfolge albanische Separatisten "nicht wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit, sondern als ‚Separatisten‘”, Berichte über “Massaker” oder “Massengräber” könnten von internationalen Beobachtern nicht bestätigt werden (abgedruckt in "konkret" 5/99). Dies geht auch aus einem weiteren Bericht vom 17. 3. hervor ("FR", 30. 4.). Ob die Berichte nun wahr sind oder nicht – sie belegen, daß von einem Wunsch, den Flüchtlingen zu helfen, keine Rede sein kann. Wie viel die NATO tatsächlich für die Flüchtlinge übrig hatte, zeigt die Bombardierung eines Flüchtlingstrecks am 15. April. Wegen dieses Angriffes, fürchtete die "FAZ" am 16. April, könne die NATO "den Kampf an der Propagandafront" verlieren.
Lüge 2: Auschwitz liegt jetzt im Kosovo
Gerade am 15. Aprill, an dem die NATO 75 Flüchtlinge tötete,
behauptete Joseph Fischer über Jugoslawien: “Es ist eine barbarische
Form des Faschismus”. Der Vergleich zwischen Jugoslawien und dem deutschen
Faschismus spielte zur Rechtfertigung des Krieges eine wichtige Rolle.
In Jugoslawien, hieß es, fände ein “Vernichtungskrieg”, ein
"Völkermord" oder “Genozid” statt, es gebe dort “Deportationen”, “Konzentrationslager”
und
“systematischen Massenmord”. Überlebende von Auschwitz wandten sich
in einer öffentlichen Erklärung ausdrücklich gegen diese
"neue Art der Auschwitz-Lüge".
Mit dem Argument, der Angriff auf Jugoslawien sei ein antifaschistischer
Krieg, wurde versucht, mögliche Bedenken dagegen zu zerstreuen. Das
ist weitgehend gelungen: das Mißtrauen, das vor einigen Jahren noch
vorhanden war, verwandelte sich in begeisterte Zustimmung. In anderen NATO-Staaten
wurde ähnlich argumentiert, doch in Deutschland erfüllte diese
Ideologie besondere Funktionen. Zum einen ging es darum, die Verbrechen
des Nationalsozialismus zu relativieren, zum anderen darum, eben diese
Verbrechen als Legitimation für die deutsche Außenpolitik heranzuziehen.
Auschwitz, sagt sich einer wie Scharping, ist ein Massenmord unter vielen
in der Geschichte, der zweite Weltkrieg verliert sich in der Reihe der
barbarischen Kriege. Deutschland steht heute auf der richtigen Seite und
soll guten Gewissens als ganz normale Großmacht zusammen mit seinen
Verbündeten wieder Krieg führen, wenn es Interesse daran hat.
Die Einzigartigkeit der deutschen Verbrechen ist ein Ausweis moralischer
Integrität. Gerade wegen seiner Verbrechen, die es vorbildlich aufgearbeitet
hat, ist Deutschland in besonderer Weise dazu berufen, die Welt mores zu
lehren.
Während des Krieges war die Bereitschaft groß, auch ohne
Beweise jede Greuelnachricht zu glauben. Keine der Aussagen von Fischer,
Scharping und Schröder über Deportationen, Konzentrationslager
oder Massaker ist belegt. Daß es sich um Lügen handelte, wurde
häufig schon nach wenigen Tagen nachgewiesen. Scharping verkündete
am 1. April, es gebe im Stadion von Pristina ein KZ für 100. 000 Menschen:
"Eine systematische Ausrottung, die in schrecklicher Weise an das erinnert,
was zum Beispiel am Beginn des Zweiten Weltkriegs und während des
ganzen Zweiten Weltkriegs auch in deutschem Namen angerichtet worden ist."
Das ZDF widerlegte diese Behauptung in einem ausführlichen Bericht.
Die Menschenmassen, die angeblich ins Stadion getrieben wurden, waren in
Wirklichkeit auf dem Weg zum Bahnhof, um sich vor den Bombenangriffen der
NATO in Sicherheit zu bringen. Mit der Schlagzeile “Sie treiben sie ins
KZ” verbreitete die "Bild-Zeitung" am 1. April dieselbe Lüge. Das
Foto darunter zeigte Flüchtlinge auf dem Weg zur albanischen Grenze.
Ähnlich die TAZ, die am 8. April mit der Schlagzeile “Deportation
bei Nacht und Nebel” aufmachte. Entgegen dem Titel, der auf die Deportation
von Juden in Vernichtungslager anspielt, handelte der Artikel von Flüchtlingen,
die in Bussen aus dem mazedonischen Blake nach Albanien, die Türkei,
Griechenland und in Flüchtlingslager der NATO in Mazedonien gebracht
wurden.
Die Dürftigkeit der angeblichen Berichte wurde während des
Krieges eindrucksvoll demonstriert von Scharping selbst, der am 6. April,
nach drei Wochen Krieg, ein Video vorführte, das als der erste eindeutige
Beweis für Massenhinrichtungen galt. Das Video ist 3 ½ Minuten
lang und zeigt einen einzigen Toten. Die "Tagesthemen" bezeichneten seine
Herkunft als ungeklärt. Scharping beschwerte sich bei der NATO über
den Mangel an Informationen und gab damit zu, keine Grundlagen für
seine Berichte zu haben.
Daß ihre früheren Behauptungen nicht bestätigt wurden,
müssen heute selbst diejenigen zugegeben, die während des Krieges
am lautesten "Völkermord" und "Deportation" riefen. Die TAZ meldete
am 3. 12. 99, es gebe "keine Hinweise auf systematisches Massentöten
im Kosovo". Die bisher gefundenen Gräber lieferten "keinen Beleg für
den von der Nato stets behaupteten Völkermord". Wie Carla del Ponte,
Chefanklägerin des UN-Kriegsverbrechertribunals, im November 1999
berichtete, fanden die gerichtsmedizinischen Teams der UN bis dahin 2108
Leichen im Kosovo.
Das Beispiel Racak
William Walker, der damalige Vorsitzende der OSZE-Beobachtergruppe im
Kosovo, verbreitete am 17. 1. 1999 die Legende von einer Massenexekution
45 unbewaffneter Dorfbewohner durch serbische Sicherheitskräfte in
Racak. Walker sprach von "Verstümmelungen" und Schüssen aus "extremer
Nahdistanz". Das angebliche Massaker diente als Anlaß für den
Bombenkrieg. Walker: "Natürlich war die Episode in Racak entscheidend
für die Bombardierungen".
Helena Ranta, Vorsitzende einer gerichtsmedizinischen Kommission, die
von EU und OSZE mit der Untersuchung der Leichen beauftragt worden war,
äußerte sich zwei Jahre später in der ARD-Sendung "Monitor"
(8. 2. 2001) über Racak: "Ich bin mir bewußt, daß man
sagen könnte, die ganze Szene in diesem kleinen Tal sei arrangiert
gewesen. (...) Diesen Schluß legen unsere ersten Untersuchungsergebnisse
genauso nah wie auch unsere späteren forensischen Untersuchungen,
die wir im November 1999 direkt vor Ort vorgenommen haben. (...) Botschafter
Walker kam am Samstag nach Racak, und es war seine persönliche Entscheidung,
von einem 'Massaker' zu sprechen. Ich habe es systematisch vermieden, dieses
Wort zu verwenden." Den Obduktionsbericht der von Ranta geleiteten Kommission
hatte der damalige EU-Ratspräsident, der deutsche Außenminister
Fischer, sofort unter Verschluß genommen. Kein Wunder, denn dem Bericht
zufolge gab es keine Exekution – das stellte sich heraus, als die Akten
nach einem Jahr in den Besitz der Zeitschrift konkret gelangten. Daß
es sich bei den Toten um Zivilisten handelte, konnte nicht bewiesen werden.
"HB", 16. 4. 99: “Noch braucht Bonn den ‚humanitären Hebel‘, wie es ein Berater Scharpings nennt, um sich der Unterstützung der eigenen Leute zu versichern. (...) Geradezu panisch beteuern deutsche Politiker, im Kosovo gehe es keinesfalls um deutsche oder europäische Interessen. Das ist (...) falsch, denn natürlich spielen diese auch eine Rolle.”