Abschiebeknäste und Ausreisezentren abschaffen!
[Update: Presseerklärung
der Veranstalterin vom 30.6.2002]
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in Ingelheim am Rhein 14.00 Uhr, Bahnhof |
Abschiebekomplex Ingelheim
In Ingelheim existiert seit über einem Jahr ein Abschiebekomplex,
der "die dunkle Seite" der aktuellen Zuwanderungsdiskussion aufzeigt. Neben
dem Hoch-Sicherheits-Abschiebeknast für bis zu 150 Menschen existiert
das Modellprojekt Landesunterkunft für Ausreisepflichtige das "Ausreisezentrum",
sowie eine Notunterkunft für Asylbewerber und seit 2002 ein Übergangslager
für Spätaussiedler.
In Abschiebehaft können "Ausreisepflichtige" genommen werden, wenn die Ausländerbehörde ihnen z.B. unterstellt, dass sie sich der Abschiebung entziehen wollen.
Entgegen dem weitverbreiteten Vorurteil, dass die meisten Menschen in Abschiebehaft straffällig geworden seien, zeigen langjährige Erfahrungen z.B. im Abschiebeknast Büren, dass ca. 90% der Abschiebehäftlinge nicht straffällig geworden sind. Für viele bedeutet der Einschluss 23 Stunden in einer Zelle mit der Perspektive, in den Verfolgerstaat abgeschoben zu werden mehr als nur eine psychische Belastung.
Zwischen 1993 und 2001 töteten sich 99 Menschen angesichts ihrer drohenden Abschiebung selbst oder starben beim Versuch, vor der Abschiebung zu fliehen. Allein 45 Flüchtlinge starben in Abschiebehaft. Mindestens 338 Flüchtlinge haben sich aus Verzweiflung oder Panik vor der Abschiebung oder aus Protest gegen die drohende Abschiebung (Risiko-Hungerstreiks) selbst verletzt oder versuchten sich umzubringen und überlebten z.T. schwer verletzt. Davon befanden sich 227 Menschen im Abschiebehaft. Während der Abschiebungen starben 5 Flüchtlinge; 171 Flüchtlinge wurden durch Zwangsmaßnahmen oder Mißhandlungen während der Abschiebung verletzt. Abgeschoben in ihre Herkunftsländer kamen 16 Flüchtlinge zu Tode, mindestens 321 Flüchtlinge wurden im Herkunftsland von Polizei oder Militär mißhandelt und gefoltert. Mindestens 46 Menschen verschwanden nach der Abschiebung spurlos (ARI; Berlin).
Als angeblich humane Alternative zur Abschiebehaft existiert seit drei Jahren das Modellprojekt Ausreisezentrum. In dieser Zeit sind laut Bericht des Innenministeriums Rheinland-Pfalz vom März 2002 von 174 zugewiesenen nur 106 Personen in Ingelheim angekommen, und von diesen weitere 24 verschwunden. Lediglich fünf Personen konnten in den letzen drei Jahren zu einer angeblich freiwilligen Rückkehr bewegt werden.
Das Modellprojekt hätte aufgrund dieser Zahlen des Innenministerium sofort geschlossen werden müssen. Es wird aber behauptet die "verschwundenen" Flüchtlinge seien wohl unkontrolliert in ihre Heimat zurückgekehrt. Ohne Geld, ohne Papiere von Ingelheim in den Sudan, nach China, nach Algerien oder in den Libanon?
Tatsächlich drängt das Ausreisezentrum die Flüchtlinge in die Illegalität.
Zur Funktion von Ausreisezentren äussert sich der Leiter der "Clearingstelle" Rheinland-Pfalz folgendermassen: "Hier sollen die Flüchtlinge über die Ausweglosigkeit ihrer Lebensperspektive in Deutschland, in eine gewisse Stimmung der Hoffnungs- und Orientierungslosigkeit versetzt werden"
Dass nicht nur das Modell Ingelheim weiter existiert, sondern Z.B. in
Bayern und Sachsen-Anhalt weitere Ausreisezentren geschaffen werden, hängt
mit der aktuellen Zuwanderungsdiskussion zusammen.
Die Zuwanderungs(begrenzungs)diskussion
Um gewünschte, wohlstandsichernde Zuwanderung durchsetzen zu können, müssen Rückkehr und Rückführungsmaßnahmen konsequent ausgebaut werden, so eine zentrale Aussage der "Süssmuth-Komission", die damit als quasi politischer Konsens gesetzt wird.
Der öffentliche Konflikt um das Zuwanderunggesetz ist vor allem Wahlkampfgetöse, das mal wieder auf dem Rücken der Flüchtlinge ausgetragen wird.
Der Unterschied besteht vor allem darin, dass Rot-grün den "Standort Deutschland" an erste Stelle setzt, die CDU/CSU wahlkampftaktisch die "nationale Karte" zieht und des Volkes Belastungsgrenze generell für erreicht erklärt. Rassistische Stimmung und Fremdenfeindlichkeit werden wieder mal angeheizt.
Das konsequent Neue am Zuwanderungsgesetz ist, dass die Auswahl der Erwünschten nach reinen Nützlichkeitserwägungen festgeschrieben und z.B. per Punktsystem verifiziert wird. Damit wird die Politik des Neoliberalismus zu Grundlage für eine neue Migrationspolitik; sie wird nach Betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten organisiert. Menschen die für die Deutschland AG kein nützliches Humankapital darstellen wird die Mobilität verwehrt. Sie sollen in den Herkunftsregionen verbleiben und dafür werden die Grenzen um Europa immer weiter vorverlagert.
Pro Asyl nennt das verabschiedete Gesetz eine Reformruine und
betont, dass es eine Verschärfung statt Abschaffung des auf Abschreckung
zielenden Ausländergesetzes darstellt. Für Menschen die nicht
als nützlich angesehen werden die Bestimmungen restriktiver.
Festung Ingelheim – Festung Europa
Der als Festung errichtete Abschiebeknast ist Sinnbild für die Mauer um die Festung Europa. Deutschland und Europa haben sich in den letzten Jahren immer stärker gegen die Habenichtse aus der sog. Dritten Welt und (Süd)-Osteuropa abgeschottet. Die Ukraine, Litauen, Ungarn bilden inzwischen die Außengrenzen, die zur Zeit mit Hochtechnologie und quasi-militärisch gesichert werden – vor Verfolgten, Bürgerkriegsflüchtlingen und vor Menschen, die aus sozialem Elend nach Europa fliehen wollen.
Während die Staaten der EU mit dem Schengener Abkommen offene Grenzen für ihre Bürger und den Kapital- und Warenverkehr bejahen, sagen sie ebenso entschieden nein zur Freizügigkeit für alle und gerechten Verteilung der vorhandenen Güter an alle Menschen.
Die immer besser abgeschotteten EU Außengrenzen zwingen Menschen in ihrer Not zu immer gefährlicheren Fluchtwegen. In den vergangenen sechs Jahren sind allein nach offiziellen Angaben 120 Menschen bei dem Versuch, nach Deutschland zu fliehen, ums Leben gekommen. Wirtschafts- und Entwicklungshilfe wird von den europäischen Regierungen davon abhängig gemacht, dass Flüchtlinge zurückgenommen werden und die eigene Grenzsicherung ausgebaut wird. Die Einhaltung der Menschenrechte bleibt nachrangig. Aktuell werden staatenlose Roma aus Deutschland nach Rumänien abgeschoben und dort "ausgehungert" um gegen ihren Willen die rumänische Staatsbürgerschaft wieder anzunehmen.
Abschiebehaft stellt die massivste Form der inländischen Abschreckung dar. Abschiebehaft bedeutet Ausgrenzung und Diskriminierung, schürt Fremdenangst und Vorurteile.
Der Abschiebekomplex in Ingelheim droht zum Exportmodell für ganz Europa zu werden, sowohl als moderne Burg gegen unnütze Migration, als auch als Gesetzkonzept der Abschottung.
Wir lehnen den gesamten Abschiebekomplex ab: Die bisherige Praxis der
Abschiebehaft und des Ausreisezentrums sind inhuman und verstoßen
gegen die Menschenrechte.
Staatlicher Rassismus
Ist es Flüchtlingen gelungen, die Mauern der Festung Europa zu
überwinden, um hier Asyl zu beantragen, stoßen auf ein ausgeklügeltes
Instrumentarium der Diskriminierung und Ausgrenzung. So wird beispielsweise
durch die Residenzpflicht - ein Gesetz, das es nur in Deutschland
gibt - ihre Bewegungsfreiheit auf den Landkreis, in dem sie leben, beschränkt.
Dieses Gesetz ist ein klarer und eklatanter Verstoss gegen UN-Menschenrechtscharta.
Ziel dieser Restriktionen ist es, soziale Kontakte, Austausch oder
die Möglichkeiten eines gemeinsamen politischen Engagements zu unterbinden.
Hinzu kommt die Unterbringung in Sammellagern, ein Arbeitsverbot mindestens
im ersten Jahr und in Rheinland-Pfalz und dem Saarland besteht noch nicht
einmal ein Rechtsanspruch auf Schulbesuch für Kinder von Asylsuchenden.
Ein weiteres Element der strukturellen Diskriminierung ist das Asylberwerberleistungsgesetz.
Flüchtlinge erhalten nur ca 80% des offiziellen Existenzminimums Sozialhilfe.
Nach dem Motto: Gegessen wird, was vom Amt kommt, erhalten sie
den größten Teil der ihnen zugestandenen Mittel nur in Sachleistungen.
Lediglich ein Betrag von 9,50 Euro wird ihnen wöchentlich bar ausbezahlt.
Wie sollen sich Asylbewerber davon einen Rechtsanwalt leisten, der Ihre
Interessen im entscheidendem Verfahren fachkundig vertreten könnte?
Die Flüchtlinge werden zudem häufig gezwungen in Sammellagern,
oft am Rande oder außerhalb der Ortschaft zu leben. Eine Gesellschaft,
die durch rassistische Maßnahmen und Sondergesetze Menschen isoliert,
diskriminiert und erniedrigt, nimmt rassistisch motivierte Gewalttaten
als Folge in Kauf.
Mit Sicherheit in die Überwachungsgesellschaft
Den 11. September nutzte auch die Bundesregierung als Gelegenheit, Gesetzesverschärfungen
und Grundrechtseinschränkungen ohne nennenswerten Widerstand durchzusetzen.
Es ist keine Überraschung, dass davon die nicht-deutsche Bevölkerung
am stärksten betroffen ist. Ihre ohnehin schon rechtlich unsichere
Situation wird damit noch einmal drastisch verschlechtert. Zum Teil werden
dafür bereits bekannte Repressionsmassnahmen erweitert, zum Teil auch
neue entwickelt. Der bisher hauptsächlich gegen im Inland aktive Gruppen
und Organisationen eingesetzte Straftatbestand der terroristischen Vereinigung
wird ergänzt durch den Strafgesetzparagraphen 129b. Damit können
Menschen schon auf den Verdacht hin, eine Organisation zu unterstützen,
die im Ausland als terroristisch gilt, von der Justiz verfolgt, abgeschoben
oder gleich an der Einreise gehindert werden. Diese Maßnahme wird
dadurch erleichtert, dass in die BRD einreisende Ausländer, ihre Fingerabdrücke
abgeben müssen und vom Verfassungsschutz überprüft werden.
Ihre persönlichen Daten werden dann im Ausländerzentralregister
gespeichert und zwischen den Ausländerbehörden und allen Polizeibehörden
ausgetauscht. In diesem Zusammenhang werden Nichtdeutsche als Versuchsobjekte
für die, auch bei deutschen BürgerInnen geplante, Speicherung
biometrischer Daten missbraucht. Konkrete Tests wurden bereits im Auftrag
einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe vom Ausländeramt Trier durchgeführt.
Auch die längst überwunden geglaubte Rasterfahndung, bei der
ganze Bevölkerungsgruppen pauschal unter Verdacht gestellt werden,
erlebt eine Neuauflage. Ziel sind diesmal ausländische Studierende,
deren Daten zu diesem Zweck von Universitäten und Verwaltungsbehörden
an die Landeskriminalämter weitergegeben wurden. In einigen Fällen
wurde dieses Vorgehen von Gerichten wegen mangelnder Rechtmäßigkeit
für unzulässig erklärt. Trotzdem sind die Sicherheitsbehörden
nicht bereit, auf dieses Werkzeug der "Inneren Sicherheit" zu verzichten
Kein Mensch flieht freiwillig
Wir fordern deshalb: Fluchtursachen bekämpfen und nicht Flüchtlinge.
Unser Land trägt dazu bei, dass Menschen aus ihrer Heimat fliehen müssen: Durch Kumpanei mit Regimen, die die Menschenrechte verletzen; durch die Unterstützung des ungerechten Weltwirtschafts- und Finanzsystems; durch Rüstungsexporte. Im Jahr 2000 exportierte die BRD Rüstungsgüter für 9.1 Milliarden DM. Auch unser Konsum ist Ursache weltweiter Umweltzerstörung. Menschen werden solange fliehen müssen, solange Flucht auslösenden Gründe bestehen. Statt in die Abwehr von Flüchtlingen zu investieren, muß an der Beseitigung der Fluchtursachen gearbeitet werden.
Flüchtlinge können sich erst dann zu einer Rückkehr oder
entscheiden, wenn sie für sich eine gesicherte Perspektive sehen.
An eine freiwillige Rückkehr in Folterstaaten und zu Regimen die die
Menschenrechte mit Füße treten, kann niemand ernsthaft glauben.
Frauen auf der Flucht
Mehr als 80% der Flüchtlinge weltweit sind Frauen und Kinder. Frauen
wie Männer fliehen aus vielen verschiedenen Gründen. Aber Frauen
fliehen auch aufgrund von frauenfeindlichen Normen und Strukturen. Sie
sind besonders brutaler Verfolgung und Folter ausgesetzt, die sich in allen
Formen sexueller Gewalt ausdrücken.
Mit dem neuen Zuwanderungsgesetz wurden frauenspezifische Fluchtursachen
gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention zwar endlich anerkannt,
aber nach wie vor treffen Frauen in einer patriarchal strukturierten Gesellschaft
wie der BRD, wenn sie die Umstände und Gründe ihrer Flucht darlegen
sollen, auf eine männerdominierte Institution wie das Bundesamt für
die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge.
Perspektiven und Charakter der Demonstration
Seit nunmehr fünf Jahren wird im Südwesten gegen die Abschiebepraxis protestiert und demonstriert. Unsere Demonstrationen sind von 100 Leuten in Zweibrücken auf zuletzt 450 TeilnehmerInnen gegen den neuen Abschiebeknast in Ingelheim angewachsen. Immer mehr Menschen sind die Leidtragenden dieser Abschiebemaschinerie, aber auch unser Protest dagegen wächst kontinuierlich. Wir wollen diese Widerstandskultur fortsetzen, stärken und vernetzen und mit noch mehr Menschen solidarisch in Ingelheim auf die Straße gehen, und unseren entschiedenen Protest direkt an die Mauern und inneren Grenzen der Festung Europa tragen!
Zeigen wir, daß es nicht möglich ist Menschen lautlos hinter fünf Meter hohen Mauern verschwinden zu lassen!
Wir wollen nicht ein Stein in dieser Mauer der Abschreckung sein, sondern
die Mauern, die uns trennen, überwinden!
Immer klarer begreifen wir unseren Widerstand als Teil einer weltweit
entstehenden Bewegung, die Menschen mit ihren Bedürfnissen wichtiger
erachtet als ihre Kapitalverwertbarkeit. Es ist an der Zeit auch hier eine
neue internationale Bewegung mit aufzubauen, die in der Lage ist, grundlegende
Alternativen zu derzeitigen zerstörerischen ökonomischen und
politischen Weltordnung aufzuzeigen - und sie zu leben.
Bringt Transparente, Instrumente und was Euch sonst noch dazu einfällt
mit.
Kommt also am 29.Juni um 14 Uhr nach Ingelheim um gemeinsam unter dem Motto "Gegen die Festung Europa – Abschiebeknäste und 'Ausreisezentren' abschaffen" zu demonstrieren!
14 Uhr, Bahnhof, Aufraktkundgebung und Demobeginn
16 Uhr, Kreisverwaltung, Zwischenkundgebung Kreisverwaltung/Ausländerbehörde
Wir laden zu einem antirassistischen Aktionswochenende ein!
Zeitgleich findet in Ingelheim ein Folk-Festival von Fr-So. mit vielen Bands, u.a. Klaus der Geiger statt.
Im Anschluss an den Demonstrationszug wird es noch Informationen und Aktuelles zu den Grenzcamps in Jena und Strasbourg, der für August geplanten Karawane, der bundesweiten Kampagne gegen Abschiebungen, der Kampagne gegen IOM (International Organisation of Migration) und bestimmt weiteres Aktuelles geben.
Mit einer Suppenküche und Musik wollen wir die Zeit bis zum Abschluss gegen 19 Uhr für alle auch so gestalten, dass sich auch im Anblick der Mauern nicht Resignation breit macht, sondern sich ein offener, fröhlicher, phantasievoller Austausch entwickeln kann. Auf dem Weg zu einer Gesellschaft die ohne Mauern und Grenzen auskommt.
Übernachtungsmöglichkeiten und Ausklang finden sich bei
Konzerten in Mainz oder dem Folk Festival (hier wohl nur bei früher
Anreise- Freitag)
Ingelheim-Demo-Vorbereitungsbündnis:
c/o Interkulturelles Zentrum Rheinallee 3 D
55116 Mainz Fax:06131-905269 Tel.:0174-4505279
mail@antifa-nierstein.de www.antifa-nierstein.de + http://ingelheim.afaktion.de
Es ist schon ein Aufruf in Kurzform erschienen.
Wenn Ihr Interesse habt die Aufrufe zu bestellen - meldet Euch
Aufrufende Gruppen und Organisationen:
AntiFa Nierstein, Flüchtlingsrat Mainz und Wiesbaden,
Aktion kein Abschiebeknast Ingelheim, Libertäre Gruppe St. Wendel,
Offenes alternatives Plenum im Haus Mainusch, Bündnis gegen Rassismus
und Gewalt Ingelheim, Humanitäre Hilfe für Flüchtlinge Ingelheim,
Arbeitsgemeinschaft Frieden Trier, Multikulturelles Zentrum Trier, The
VOICE Afrika Refugee Forum, Karawane Koordinationskreis Hamburg, AHA Büren-Gruppe,
subversiv Neunkirchen, Arbeitskreis Asyl RLP, Initiativausschuss für
Migrationspolitik RLP, Initiative gegen Abschiebungen (IGA) im Dritte Welt
Haus Frankfurt, Antifa Neckar-Odenwald -Keine Lichterketten, Infotelefon
Garfield (06272/3559), Antifaschistische Gruppe Contra Bensheim, Antifaschistische
Gruppe Basta, Antifaschistische Aktion Weischnitztal, Antifa Breuberg,
Antifa acid Neustadt an der Weinstrasse, Antifa HG Bad Homburg, res publica:
www.ausreisezentren.cjb.net , JungdemokratInnen / Junge Linke Landesverband
Rheinland Pfalz, Antirassistische Gruppe Für Freies Fluten Hanau,
Niedersächsische Flüchtlingsrat, AKTION 3.WELT Saar, PDS Mainz-Bingen,
Flüchtlingsrat Bayern, Flüchtlingsrat Hessen, Rat der fortschrittlichen
und demokratischen IranerInnen – Mainz, Deutsche Friedensgesellschaft -
Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Landesverband Hessen &
Gruppe Mainz, Radio Quer, Pax Christi Bistum Trier, iaf Verband binationaler
Familien und Partnerschaften Mainz, VVN Vereinigung der Verfolgten des
Naziregimes Bund der Antifaschisten Mainz, Gelbe Hand Bündnis Mainz,
Antifa Königs-Wusterhausen.
| Aktueller Einzelfall eines ehemaligen Ingelheimer Abschiebehäftlings:
Herr A ist Januar diesen Jahres von der Autobahnpolizei aufgegriffen und verhaftet worden. Er hat zwar sogleich Asyl beantragt, sein Asylverfahren wurde jedoch als Folgeverfahren gewertet, da nach Auskunft der Polizeidienststelle eine Personenidentität mit mehreren Personen vorlag, die schon ein Asylverfahren gestellt hatten. Dieser Folgeantrag wurde abgelehnt, so dass Herr A zur Abschiebung in die Ingelheimer "Ingewahrsammseinrichtung für Ausreispflichtige" kam. Ein eingeschalteter Anwalt fand heraus, dass vom BKA nur eine Personenidentität aufgrund eines Fingerabdruckvergleichs zwischen Herrn A und Herrn A1 (erkennungsdienstlich in Österreich behandelt) bestehen würde. Von weiteren Identitäten A´s lägen keine Erkenntnisse vor. Mit dieser Information und der Auskunft durch eine weitere Polizeidienststelle ergab die Lage, dass "die weiteren Personenidentitäten seien nur durch einen Namensvergleich bei der Polizeidatei Inpol herausgefunden worden seien." Aufgrund dieser gravierenden und voreiligen Verwechslung wurde der Bescheid samt Abschiebungsandrohung aufgehoben! Die zuständige Ausländerbehörde mußte der Entlassung aus der versehentlichen Haft zustimmen, da Herr A nunmehr als Erstantragsteller eine vorläufiges Aufenthaltserlaubnis hat. |
Vorbereitungskreis
Demonstration in Ingelheim
c/o Interkulturelles Zentrum
Rheinallee 3D
55116 Mainz
Fax: 06131/905269
Mainz, den 30.6.2002
Presseerklärung
zur Demonstration gegen
Abschiebegefängnisse
und Ausreisezentren
am Samstag, 29. Juni
2002
in Ingelheim am Rhein
Demo in Ingelheim mit 600 TeilnehmerInnen
Ein Demonstrationszug, dem sich 600 Menschen angeschlossen hatten zog
gestern durch die rheinland - pfälzische Kreisstadt Ingelheim, um
gegen den außerhalb gelegenen Abschiebekomplex zu demonstrieren.
Gleich zu Beginn sorgte die Polizei, vertreten durch den Oberpolizeirat
Zahn, für eine außerordentliche Überraschung: ein wesentlicher
Teil der genehmigten Demonstrationsroute, der an den fünf Meter hohen
Mauern des Abschiebegefängnisses entlang führen sollte, war polizeilich
abgesperrt. Eine Begründung dieser Maßnahme wurde der Demonstrationsleitung
verweigert, was für einige Verstimmung sorgte.
Trotzdem zog die bunte Schar friedlich durch die Stadt, um die Kultur
des Schweigens über die Situation von Flüchtlingen zu durchbrechen.
In verschiedenen Redebeiträgen wurde immer wieder die menschenunwürdige
Praxis der Asylpolitik thematisiert und darauf hingewiesen, daß die
Fluchtursachen und nicht die Flüchtlinge zu bekämpfen seien.
Vor der Kreisverwaltung, in der auch die Ausländerbehörde
untergebracht ist, kam es zu einem Zwischenfall, der MitdemonstrantInnen
und Polizei gleichermaßen überraschte: einige vermummte Demonstranten
rannten auf den Haupteingang zu und schleuderten neun Farbbeutel auf die
Fassade. Zu Festnahmen kam es deshalb jedoch nicht.
Ohne weitere Zwischenfälle bewegte sich der Demonstrationszug
dann zum Abschiebekomplex, wo er sich nach den beiden letzten Redebeiträgen
friedlich auflöste. „Wir freuen uns sehr, daß so sich so
viele Menschen in Ingelheim für die Rechte der Flüchtlinge eingesetzt
haben und daß sich die Zahl der TeilnehmerInnen auch in diesem Jahr
wieder gesteigert hat“, so eine Sprecherin der Vorbereitungskreises.