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Alle zwei Jahre droht er erneut, der ordentliche BuKo der DFG-VK. Auch im kommenden Herbst wieder. Diesmal trifft sich der 11. ordentliche DFG-VK-Bundeskongreß an einem Ort und an einem Tag, die beide gewährleisten dürften, daß jedenfalls der Organisation der Vorwurf, sie habe das "D" in ihrem Namen nicht verdient, für's erste erspart bleibt. Man reist in die deutsche Hauptstadt und zwar am 3. Oktober, dem siebten Jahrestag der DDR-Annexion.
Unsere in den vergangenen Jahren hier an dieser Stelle ausgebreitete These zum Thema lautet grob formuliert: Wenn man in der DFG-VK mit Bundeskongressen etwas ändern könnte, dann gäbe es sie nicht. Zum Beispiel hinsichtlich der zentralistischen Strukturen, in denen bundesverbandliche Politik gemacht wird und deren Gravitationszentrum irgendwo im Westfälischen festzumachen ist. Nach dem letzten (außerordentlichen) Bundeskongreß im Ende November des vergangenen Jahres in Kassel durften sich immerhin stattliche sieben Mitglieder zum BundessprecherInnenkreis (BSK) zählen. So viele SprecherInnen gab es selten, eine gewisse Breite in der Spitze also.
Nicht so in der DFG-VK; der Ordnung halber müssen dort einige sprechender sein als andere. Beschluß der BSK-Sitzung von Mitte April 1997: "Bei politischen Anfragen soll versucht werden, Kathrin Vogler, Monty Schädel oder Felix Oekentorp zu erreichen. Ist dies nicht möglich, haben Stephan Brües und Michael Gerhardt das politische Mandat, Anfragen im Namen der DFG-VK zu beantworten." Soso. Dieses BSK-Diktum irrt sich absichtsvoll wieder völlig. Michael Gerhardt benötigt kein politisches Mandat seitens dieses Gremiums, um "Anfragen im Namen der DFG-VK zu beantworten". Das Mandat hat er nämlich schon, nämlich vom BuKo 1996, der ihn zum Bundessprecher gewählt hatte. Das unterscheidet ihn wiederum von Stephan Brües, der nicht Mitglied des BSK ist, sondern lediglich aus derselben DFG-Gruppe stammt wie Kathrin Vogler, was zwar für so manches qualifizieren mag, aber nicht dafür, im Namen des Verbandes zu sprechen. Aber was soll's. Auf Brües und Gerhardt paßt ja schließlich - sozusagen als Vorgesetzter - u.a. der Herr Oekentorp auf, der ja ein schönes Mandat hat? Tja, zwar schon. Nur jenes einer NRW-Landesversammlung - in Dortmund betätigt er sich nämlich als Landesgeschäftsführer. Mitglied des BSK ist auch er nicht. Früher einmal, als die PDS noch links war und DKP hieß, nannte man sowas einen Politkommissar. Damals wäre man allerdings auch noch nicht so blöd gewesen, das ganze in einem Protokoll für's Publikum festzuhalten: naiver Sozialdemokretinismus halt... Aber immerhin: Mit diesem Beschluß hat der BSK in eigener Herrlichkeit eines seiner Mitglieder nahezu ausgeschlossen und zweie dazu kooptiert. Respekt, als Modell ausgereift ersetzt das viel Geld für Bundeskongresse.
Doch wenden wir unseren Blick in die Zukunft und beschäftigen uns mit den wegweisenden Arbeitsschwerpunkten des Bundeskongresses 1997. Da ist zunächst die Veranstaltung am Freitagabend, bei der es endlich einmal um richtig große Politik geht und bei der Verband sein breit gestaffeltes und professionelles politisches Interventionspotential in Anschlag bringen kann. "Regierungswechsel 1998 ? - Der Beginn einer Wendezeit in friedenspolitischen Fragen?", heißt das reichlich absurde Thema. Ein Mandat zur Beantwortung diverser Fragen hinsichtlich der avisierten Zeitenwende erhalten je ein Repräsentant der SPD, der Grünen und der PDS. Deren Haltung zu "OSZE, Ziviler Friedensdienst, Aufgaben der NATO/Bundeswehr" soll ausgelotet werden. Die BoA-Frage wird, auch wenn die Antwort schon klar ist, natürlich auch gestellt. Über derlei außenpolitische Thematik läßt sich freilich mächtig ausführlich schwadronieren und oppositionell fuchtelnd lamentieren. Außen vor bleiben naturgemäß Fragen nach Rüstungsexporten, nach dem Umgang mit Bürgerkriegsflüchtlingen und deren "Rückführung", Fragen zum Thema Asyl und KDV/Desertion, zur Problematik von Zwangsdiensten und erzwungener Arbeit. Bei solchem Nachhaken könnte sich nämlich der ‚angedachte' Zeitenwechsel als Chimäre erweisen, zeigte der Dreck am Stecken so mancher rot-grüner Landesregierungen sich doch allzu offenbar.
Nach der Monate zu früh angesetzten Wahlkampfveranstaltung soll es am Samstag und Sonntag allerdings so richtig professionell und politisch werden. Unter Tagesordnungspunkt 3 stehen Grundsatzanträge zur Debatte und diskutieren Arbeitsgruppen. Das Verhältnis beider hat der Bundesausschuß so umschrieben: "Die inhaltlichen/politischen Anträge sollen Positionspapiere sein, die die Frage nach dem wohin geht die DFG-VK beantworten sollen, während in den AGs der Frage des Weges dorthin nachgegangen werden soll." Keine leichte Aufgabe für die AGs: Dem fragenden Weg dorthin nachgehen, wo das wohin noch überhaupt nicht beantwortet ist! Oder andersrum? Verwirrt lassen wir die Gegenstände der verschiedenen Arbeitsgruppen Revue passieren: AG1: "Kriegsdienste verweigern!" - hier steht das Konzept KDV-Beratung ohne Wehrpflicht auf dem Prüfstand; AG2: "Workshop Öffentlichkeitsarbeit"; AG3: "Global denken und international handeln" - hier geht es allgemein um die transnationale Arbeit verschiedener DFG-Gremien und -mitglieder; AG4: "Workshop: die DFG-VK - offen für Neue"; AG 5: "Anforderungen an eine zeitgemäße Satzung"; AG 6: "Wie finanzieren wir uns?"
Mmh... Das ist ebenso jede Menge fragender Weg wie auch unbeantwortetes Wohin. Nur eines ist es nicht: eine irgendwie an Inhalten orientierte Arbeit. In den Arbeitsgruppen steht der Verband selbst im Mittelpunkt: wie bekommen wir mehr Geld und neue Mitglieder, wie muß dafür unsere Satzung und unsere Öffentlichkeitsarbeit, zu der auch die KDV-Beratungsstellen zählen, aussehen?
Und einmal mehr debattiert der DFG-VK-BuKo - jedem alt eingesessenen DFG-Mitglied ist das spätestens nach Benennung der AG 6 klar - über mehr Geld für die Bundesebene und über höhere Mitgliedsbeiträge. Darauf dürft Ihr Euch auch schon mal einstellen. Denn solche Geschichten wie der kontinuierlicher Rückgang der Reallöhne in den vergangenen Jahren werden auch in der DFG-VK nicht adäquat diskutiert. Im Gegensatz zu den neuesten Erkenntnissen der verbandseigenen Finanzakrobaten, daß nämlich eine Beitragserhöhung nicht zu entsprechend zahlreichen Austritten führt. Denn den meisten Mitgliedern fällt wegen erteilter Einzugsermächtigung gar nicht auf, wenn sie mehr als bisher berappen müssen.
In
diesem Zusammenhang sei auch noch einmal auf das "Marburger Modell"
hingewiesen. Seit Jahren haben sich offiziell einige der Marburger DFGlerInnen
auf Beitragsstufe "0" setzen lassen. Den regulären Beitrag überweisen
sie jedoch direkt auf das Konto der Gruppe. Da haben alle was von: die
Marburger Mitglieder, die vermittels Kiffhäuser und Kalaschnikov
genau wissen, was mit ihrem Geld passiert - die aktive Gruppe selbst, die mehr
Schotter zur Verfügung hat - und die Bundesgeschäftsstelle, wo neue
MitarbeiterInnen, mit denen sich die KollegInnen eh nur verkrachen täten, nicht
mehr eingestellt werden können. Mehr Infos dazu gibt's natürlich bei DFG-VK
Marburg, Postfach 1246, 35002 Marburg.