Demo in Marburg: Weit über 1.000 Menschen demonstrierten gegen den 3. Golfkrieg

Bei der dritten Ausgabe der von der Marburger Friedensinitiative "Nein zum Krieg" veranstalteten "Montagsdemo" am 24. März 2003 gegen den Krieg am Golf versammelten sich über 1.000 KriegsgegnerInnen – die Veranstalter schätzten die Menge auf bis zu 1.500 Personen –, um von der Stadthalle bis zum Deserteursdenkmal vor der ehemaligen Jägerkaserne zu ziehen. Im Gegensatz zu den bisherigen wöchentlichen Protestzügen, die noch vor Beginn des Krieges und der schweren Bombenangriffe auf den Irak stattgefunden hatten, organisierte die Marburger Friedensinitiative diesmal eine Abschlußkundgebung.

Darauf, daß genau vor 4 Jahren – am 24. März 1999 der NATO-Krieg gegen Jugoslawien – begann, wies Christian Axnick (DFG-VK) hin. Scharf kritisierte er die rot-grüne Bundesregierung. Diese habe damals nicht nur den Krieg als Mittel der Außenpolitik wieder etabliert, sondern auch gegen geltendes Völkerrecht verstoßen. Damit hätten Schröder und Fischer eine Entwicklung eingeleitet und nach Kräften gefördert, die es heute den USA erlauben würde, das "Völkerrecht auf den Müll" zu werfen. In Anbetracht des Kundgebungsortes machte der Sprecher der Deutschen Friedensgesellschaft am Schluß der Rede auf das Schicksal der Kriegsdeserteure aufmerksam, die sich mit erheblichem persönlichen Einsatz gegen den Krieg einsetzen würden. Irakische Fahnenflüchtige hätten mit erheblichen Repressionen bis hin zur Todesstrafe zu rechnen. Vor diesem Hintergrund sei die Ausrichtung der deutschen Asylpolitik völlig unverständlich, die die Desertion aus der irakischen Armee in den vergangenen Jahren nicht als Asylgrund anerkannt habe. Hier komme die Qualifizierung der allgemeinen Wehrpflicht als eines allgemeinen Recht des Staates zum Ausdruck. Ebenso hätten US-amerikanische Deserteure von bundesdeutschen Behörden nichts Positives zu erwarten. Erfreulich sei immerhin, daß Organisationen der Friedensbewegung eine Beratungsstelle für US-Deserteure wieder ins Leben gerufen haben, die bereits vor 12 Jahren während des 2. Golfkrieges erfolgreich arbeitete.

Für die Marburger SchülerInnen sprach sich deren Vertreter Paul Hecker gegen den Irakkrieg aus. Er wies darauf hin, daß nicht der Irak über die größte Militärmaschinerie der Welt verfüge, sondern die USA. Nicht der Irak besitze ein riesiges Potential an Massenvernichtungsmitteln, sondern die USA. Der Krieg drohe darüber hinaus, den Nahen und Mittleren Osten sowie den gesamten Globus ökologisch erheblich zu beeinträchtigen. Für den kommenden Mittwoch rief Hecker alle Schülerinnen und Schüler zu einer großen Schülerdemonstration in Marburg auf.

Als Sprecher der Friedensinitiative "Nein zum Krieg" forderte Johannes Becker die Friedensbewegung auf, jetzt auch nach Kriegsbeginn weiter am Ball zu bleiben. Denn es sei unerläßlich, die rot-grüne Bundesregierung weiterhin genau zu beobachten und ihr, falls nötig, "auf die Finger zu schlagen". Einen möglichen Ausbau der militärischen Fähigkeiten Europas als Antwort auf den britisch-amerikanischen Krieg dürfe die deutsche Friedensbewegung der Regierung nicht durchgehen lassen. Für den kommenden Montag rief Becker auf, sich erneut in Marburg zum Antikriegsprotest um 17 Uhr vor der Stadthalle zu versammeln.

fjm