Was beim Versenden von Solidaritätsgrußkarten zu beachten ist
Die Ehrenliste der Gefangenen für den Frieden 1999
Seit 1926 bittet die War Resisters' International FriedensaktivistInnen darum, Grusskarten an Gefangene zu schicken, seit 1956 wird der 1. Dezember als Tag der Gefangenen für den Frieden begangen. In diesem Jahr will die War Resisters' International insbesondere die Situation von KriegsgegnerInnen in Ländern hervorheben, die sich im Krieg befinden: Von Algerien, Angola und Kongo in Afrika bis hin zum Kosov@ und Jugoslawien in Europa. Während wir uns auf den Tag der Gefangenen für den Frieden vorbereiten, wird in Tschetschenien in Europa, in Angola in Afrika, in der Türkei in Asien, in Kolumbien in Lateinamerika - um nur einige wenige zu nennen - Krieg geführt.
Doch wo immer Krieg herrscht, gibt es Widerstand: Junge Männer desertieren von den bewaffneten Einheiten (regulären Armeen und irregulären Verbänden) oder entziehen sich der Einberufung, AktivistInnen versuchen, friedliche Lösungen zu propagieren und militärische Methoden zu denunzieren, Unterstützung für Deserteure und Wehrflüchtige, Initiativen für Dialog zwischen den kämpfenden Parteien. Während die meisten Kriege von Männern geführt und kommandiert werden - auch wenn Frauen einen wachsenden Anteil an den Streitkräften vieler Länder haben - so sind doch oft Frauen in der ersten Reihe des Widerstandes. Das internationale Netzwerk der Frauen in Schwarz ist da nur ein herausragendes Beispiel.
Widerstand gegen Krieg in Kriegssituation unterscheidet sich von dem, was europäische und us-amerikanische AntimilitaristInnen gewohnt sind: während wir häufig gegen Apathie kämpfen und uns in unseren westlichen Demokratien nur geringer Repression ausgesetzt sehen - und ich schreibe das, obwohl ich zu den mehr als 20 FriedensaktivistInnen in Deutschland gehöre, die derzeit angeklagt werden, weil sie deutsche Soldaten zur Desertion aufgerufen haben - haben KriegsgegnerInnen in Kriegssituationen mit einer vollständig anderen Situation umzugehen. In Angola ist Zwangsrekrutierung zu allen bewaffneten Kräften - denen der Regierung und der Guerilla - an sich schon ein Krieg gegen die junge Bevölkerung, und diejenigen, die sich weigern, sehen sich dem Tod gegenüber. Den bis zu 30.000 Wehrflüchtigen in Jugoslawien droht auch heute noch - nach Ende des Krieges - eine Strafe von bis zu 20 Jahren Gefängnis, entsprechend Gesetzen, die während des „Kriegsrechts" eingeführt worden waren.
Widerstand gegen Krieg heisst dann oft, das eigene Land, die eigenen FreundInnen und Familie, zu verlassen, und wenn du Glück hast landest du vielleicht in einem Asyllager in Europa oder den USA, nur um wieder abgeschoben zu werden, denn Kriegsdienstverweigerung bedeutet kein Recht auf Asyl. Widerstand gegen Krieg kann bedeuten, im eigenen Land unterzutauchen, immer in der Gefahr vom Militär oder der Polizei verhaftet und ins Gefängnis geworfen zu werden.
Häufig sind pazifistische Gefangene im Zentrum des antimilitaristischen Kampfes. Gleichzeitig finden sie sich selbst im Herz einer gewaltsamen Institution wieder - die alltägliche Zermürbung und Isolation des Gefängnislebens ist eine Form staatlicher Gewalt die weder vergessen noch unterschätzt werden sollte. Daher benötigen Gefangene für den Frieden unsere besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung.
Die War Resisters' International ruft dazu auf, Briefe oder Karten an individuelle Gefangene zu schicken, um Unterstützung und Solidarität zu zeigen.
Die War Resisters' International ruft Friedensgruppen und -Organisationen dazu auf, mit Informationsständen und anderem die Öffentlichkeit über die Situation von Gefangenen für den Frieden in Kriegssituationen zu informieren.
Karen Voskanian (seit 09/98 voraussichtlich bis 04/01)
g Gyumri, SIZO, Nachalniku, Armenien
Verweigerer, Zeuge Jehovah's
Gagik Ohanian
Artur Stepanian
Armen Asoian
Grigor Daian
Artur Martirosian
Ruslan Ohanganian
Gurgen Sevoian
Alle sind wegen ihrer Verweigerung des Militärdienstes inhaftiert
Tom Kettunen (seit 21.9.1999 bis 8.4.2000)
Turun lääninvankila PL 212 20101 Turku
Otso Kivekäs (seit 19.10.1999 bis 6.5.2000)
Nakke Leppänen (seit 11.10.1999 bis 28.4.2000)
Otto Salin (seit 4.10.1999 bis 21.4.2000)
Niko Salminen (seit 15.9.1999 bis 2.4.2000)
Helsingin työsiirtola 01531 Vantaa
Antra Löövi (seit 18.8.1999 bis 6.3.2000)
Haminan työsiirtola, Karjakatu 25 49400 Hamina
Die folgenden totalen Kriegsdienstverweigerer wurden im Laufe dieses
Jahres freigelassen:
Juan Meneses, Mikko Suonpää, Mikko Juhanantti, Mika Iisakka,
Kai Hall, Jan Hellsten, Juri Rosenberg, Markus Latvala, Teppo Salonen,
Harri Mulari
Lotahn Raz (#6963940)
DZ 02507, Tzahal, Israel
Politischer Verweigerer, sass drei fast aufeinanderfolgende Haftstrafen
zwischen dem 8. August und 8. Oktober 1999 ab. Er wurde vom Militärdienst
freigestellt.
Walid Nafa Druse, verweigert den Dienst in der israelischen Armee aus nationalen und politischen Gründen, war vom 1. Juni bis 10. September diesen Jahres inhaftiert. Das war seit März 1997 seine siebte und letzte Inhaftierung. Er wurde jetzt vom Militärdienst befreit.
Oleg Bar-On, Pazifist, sass zwischen November 1998 und Juli 1999 vier Haftstrafen ab. Er ist jetzt vom Militärdienst befreit.
Yehuda Agus, anarchistischer Verweigerer, war zu Anfang des Jahres zweimal inhaftiert. Nicht offiziell vom Militärdienst befreit. Derzeit hält er sich ausserhalb Israels auf, da er im Falle seiner Rückkehr in Gefahr ist, inhaftiert zu werden.
Dimitry Sokolik, Pazifist, sass drei aufeinanderfolgende Haftstrafen zwischen dem 30. Juni und 22. August 1999 ab. Er hat den Befehl, sich am 22. November erneut zum Militärdienst zu melden, was wahrscheinlich den Beginn einer erneuten Inhaftierung bedeutet.
Mauritzio Lazaleh, befand sich zwischen dem 6. und 18. September 1999 im Gefängnis. Er wurde jetzt vom Militärdienst freigestellt.
Unai Molinero
Kontakt: c/o KEM-MOC, Iturribide 12-1 D, 48005 Bilbao, Euskadi,
Spanischer Staat.
Carlos Pérez
Oleg Voronin
g Gushgi, ITU voennogo naznacheniya, Nachalniku, Turkmenistan
(seit 09/1998 wahrscheinlich bis 10/2003, zu fünfeinhalb Jahren
verurteilt wegen „Entfernung vom Militärdienst", nachdem er mit Gewalt
zu einer Militäreinheit gebracht worden war. Es wird davon ausgegangen,
dass er ernstlich geschlagen wurde und dass ihm ein/e AnwaltIn verweigert
wurde. Seit seiner Inhaftierung im Militärgefängnis Gushgi hat
niemand Zugang zu Oleg Voronin gehabt.)
Martha Scarborough
Joyce Parkhurst
c/o Nye County Sheriff, Detention Center, POB 831 Tonopah, NV 89049,
USA
Entzäunungsaktion am Atomwaffentestgelände in Nevada
Lauren Cannon (30 Tage)
Kateri McCarthy (30 Tage)
MCI Framingham, P.O. Box 9007, Framingham, MA 01704-9007, USA
Eddy Dyer(30 Tage)
Sean Donahue (30 Tage)
Jonathan Leavitt (30 Tage)
Lawrence Alternative Correctional Facility, 165 Marston St., Lawrence,
MA 01841, USA
Scott Kenji Warren (Unit 120B Cell #254 , verurteilt zu 30 Tagen)
Essex County Corrections Facility, P.O. Box 807, Middleton, MA 01949-2807,
USA
Blockade am Raytheon corporate offices, 28/05/99, inhaftiert seit
14/10/99
Werden sich im Gefängnis befinden:
Michele Naar-Obed (12 Monate)
c/o Jonah House, 1301 Moreland, Baltimore, MD 21216, USA
("Jubilee Plowshares/East" direkte Abrüstung eines Schnell-Angriffs-U-Boots
im August 1995, Bewährung widerrufen, zurück im Gefängnis
seit 07/99)
[Mehr Informationen bei Jonah House, siehe oben, und disarmnow@erols.com]
Daniel Sicken (#28360-013, verurteilt zu 41 Monaten)
FPC Lewisburg, P.O. Box 2000, Lewisburg, PA 17837.
Oliver Sachio Coe (#28361-013, verurteilt zu 30 Monaten)
Unit AD, FPC Allenwood, P.O. Box 1000, Montgomery, PA 17752-9718,
USA
"Minuteman III Plowshares" direkte Abrüstung eines Nuklearraketen-Silos,
06/08/98
[Mehr Informationen bei MM III Plowshares Support, c/o Citizens
for Peace in Space, POB 915, Colorado Springs, CO 80901.]
John Patrick Liteky (#83725-020)
FPC Sheridan, PO Box 6000, Sheridan, OR 97378-6000, USA
Fr. Bill Bichsel SJ (#86275-020)
FPC Sheridan Unit 5, P.O. Box 6000, Sheridan, OR 97378-6000, USA
Verurteilt wegen diverser Aktionen mit Blut gegen die „School of
the Americas" am Pentagon am 29/09 und 20/10/97 und am Fort Benning am
25/02/98)
In Deutschland: Stephan Knauer wg. WRI London, Konto-Nr. 1130160, Vereinsbank, BLZ 200 300 00
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