[Quelle: Emails der Bürgerinitiative FREIeHEIDe vom 2.4.2003
und vom 7.3.2003 (Aufruf zum 11. Ostermarsch in die Ruppiner Heide am 20.4.2003);
DFG-VK Marburg]
[2.4.2003]
Liebe Friedensfreunde,
ich habe mich vor einigen Wochen schon einmal an Euch gewandt [mit dem Auifruf zum Ostermarsch ans Bombodrom, siehe weiter unten, DFG-VK Marburg]. Jetzt verschärft sich die Situation, da Bundesverteidigungsminister Struck die Nutzung des größten Bombenabwurfplatzes in Europa im Norden Brandenburgs genehmigen will.
Bereits nach Ostern - wo wir seit 11 Jahren Ostermärsche gegen diesen Platz veranstalten - soll nach Tagesspiegel-Angaben der Platz genutzt werden. Bereits für Mai hat das Verteidigungsministerium Jagdbombergeschwadern Übungszeiten zugewiesen.
Wir brauchen jetzt jede Unterstützung, um dieses Bombodrom noch zu verhindern!!!
Mit friedlich FREIHEIDlichen Grüssen
Kay Noeske-Heisinger
[Es folgt der erwähnte Artikel aus dem Berliner "Tagesspiegel"
vom 2.4.2003; DFG-VK Marburg]
Bombodrom: Zu Ostern soll es wieder knallenTrotz aller Proteste wird der Schießplatz bei Wittstock wohl in Betrieb genommen
Von Rainer W. During
Potsdam. Fallen demnächst wieder Bomben in der Ruppiner Heide? Die umstrittene Wiederinbetriebnahme des "Bombodrom" genannten Luft-Boden-Schießplatzes bei Wittstock scheint unmittelbar bevorzustehen. Während die Bürgerinitiative "Freie Heide" für den 20. April zum Ostermarsch unter dem Motto "Der Frieden braucht kein Bombodrom" aufruft, könnten hier schon wenige Tage später die ersten Bomben fallen. Noch in diesem Monat will Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) dem Vernehmen nach die Erlaubnis für die Nutzung des Geländes geben. Bei der Luftwaffe laufen nach Tagesspiegel-Informationen bereits die internen Vorbereitungen für eine Aufnahme des Trainings-Flugbetriebes Ende April.
"Eine politische Entscheidung wird zurzeit vorbereitet", heißt es offiziell im Verteidigungsministerium. Zu einem genauen Zeitplan will sich der Sprecher nicht äußern. Wie der Tagesspiegel aus Militärkreisen erfuhr, hat die Luftwaffe indessen jedoch intern bereits Termine festgelegt. Danach sollen alle Vorbereitungen für den Beginn der Trainings-Bombenabwürfe so abgeschlossen werden, dass binnen einer Woche nach dem Befehl zur Aktivierung des Übungsplatzes bereits kurz nach Ostern mit den Flügen begonnen werden kann.
Den vier in Cochem, Jever, Lechfeld und Nörvenich stationierten Jagdbombergeschwadern wurden bereits Übungszeiten im Mai zugewiesen. Für Zwischenlandungen sind die zivil mitbenutzten Militärflugplätze Laage bei Rostock und Trollenhagen bei Neubrandenburg vorgesehen. Von dort aus sollen die mit einem Terrainfolgeradar für automatische Tiefflüge ausgestatteten Tornado-Kampfflugzeuge ihre Übungsziele ansteuern.
Das rund 144 Quadratkilometer große Areal östlich von Wittstock war in den Fünfzigerjahren von den sowjetischen Streitkräften als Truppenübungs- und Bombenabwurfsplatz requiriert worden. Seit dem Abzug der Roten Armee nach der Wende kämpfen die Bürgerinitiative und die umliegenden Gemeinden gegen die Nutzung des Geländes als Bombodrom.
Vor drei Jahren gelang ihnen zumindest ein Teilerfolg. Das Bundesverwaltungsgericht untersagte der Bundeswehr vorerst die geplante Weiternutzung als Bombenabwurfplatz. Ausdrücklich stellten die Richter aber fest, dass die grundsätzliche Weiternutzung durch die Bundeswehr nicht in Frage gestellt sei. Die Militärs hätten nur vergessen, die betroffenen Gemeinden anzuhören.
In ihre Koalitionsvereinbarung nach den Bundestagswahlen haben SPD und Grüne daraufhin die erneute Prüfung der Notwendigkeit zur Weiternutzung des Bombodroms aufgenommen. Folgen muss der Verteidigungsminister den Bedenken aber nicht.
Allerdings wurde Minister Struck noch im Februar von der Bürgerinitiative an sein früheres Verhalten erinnert. 1992 hatte der Politiker im Namen der SPD-Bundestagsfraktion den damaligen Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) aufgefordert, auf die Weiternutzung des von den Sowjets enteigneten und somit zu Unrecht genutzten Schießplatzes zu verzichten.
[Email der Bürgerinitiative FREIeHEIDe vom 7. 3. 2003]
Liebe FriedensfreundInnen,
(...) Die Welt schaut gebannt nach Irak. Doch auch in Deutschland gibt es Bestebungen den Krieg zu üben.
Seit 1992 kämpft die Bürgerinitiative FREIeHEIDe im Land Brandenburg gegen die Einrichtung des größten Bombenabwurfplatzes in Europa. Mit 142 qkm ist er so gross wie 1/6 Berlins oder 1/3 Kölns und liegt 80 km nördlich von Berlin.
Bereits im Dezember 2000 hat das Bundesverwaltungsgericht der Initiative höchstrichterlich bescheinigt, dass die Bundeswehr diesen Platz nicht ohne Beteiligung der Anrainergemeinden errichten darf. Es wurde vom Bundesverteidigungsministerium ein Anhörungsverfahren verlangt, was auch durchgeführt wurde - übrigens mit sehr dürftig-nebulösen Informationen für die Anzuhörenden - und nun abgeschlossen wird. Nach unseren Informationen will Verteidigungsminister Struck auf anraten der Hardthöhe an diesem Platz festhalten, obwohl sich im Anhörungsverfahren alle Gemeinden, der Landkreis Ostprignitz-Ruppin, sowie die Landesministerien von Brandenburg (mit Ausnahme des Wirtschaftsministeriums) gegen diesen Platz aussprachen.
Seit Jahren findet in der Kyritz-Ruppiner Heide am Ostersonntag in Fretzdorf ein Ostermarsch statt. Dieser zählte in den vergangenen Jahren immer zu den teilnehmerstärksten Einzelveranstaltungen im Rahmen der deutschen Ostermärsche.
Wir rufen in diesem Jahr zur Teilnahme am Ostermarsch in Fretzdorf auf, um der drohenden Einrichtung dieses Bombenabwurfplatzes entgegen zu treten.
Unter dem Motto: "DER FRIEDE BRAUCHT KEIN BOMBODROM" findet der 11. Ostermarsch der Bürgerinitiative FREIeHEIDe am Ostersonntag, 20.04.2003, in Fretzdorf ab 14.00 Uhr statt.
Mit FREIHEID-lich friedlichen Grüssen
Kay Noeske-Heisinger