Mazedonien: Mittels "Friedenssicherung" von Krieg zu Krieg

(Kalaschnikov, Sendung vom 21. März 2001)


Jetzt hat der Bürgerkrieg doch noch Mazedonien erreicht. Die Stationierung sogenannter Nato-Friedenstruppen im Kosovo und in Mazedonien hat diese Entwicklung nicht aufhalten können, sondern im Gegenteil vorangetrieben.

Seit 1991 die ersten Kämpfe des gesamtjugoslawischen Bürgerkriegs begannen, war stets die Rede von der Gefahr eines Übergreifens der Kämpfe auf andere Teilrepubliken - Bosnien/Herzegowina, Serbien bzw. Kosovo und schließlich Mazedonien. Nicht zuletzt mit dieser Gefahr wurde das fortgesetzte Eingreifen der Großmächte in den Konflikt gerechtfertigt, das dann als Krisenmanagement gerechtfertigt wurde. Allen voran die deutsche Außenpolitik erprobte ihren neuen machtpolitischen Spielraum auf dem Balkan - von der Anerkennung Sloweniens und Kroatiens, über die Militärintervention in Bosnien-Herzegowina bis zur Unterstützung der kosovoalbanischen Separatisten,.dem Krieg gegen Restjugoslawien und der Besetzung des Kosovo. Hatte der imperialistische Staatenblock anfangs auf einen Erhalt Gesamtjugoslawiens gesetzt, hatte man nach der Überrumpelung durch Genschers Anerkennungspolitik beschlosssen eine Aufteilung nur entlang der Grenzen der ehemaligen Teilrepubliken zuzulassen. Die separatistischen Bewegungen hatten von Anfang an für dieses Vorhaben wenig Verständnis und versuchten stets eine Grenzziehung entlang der von ihnen geforderten ethnisch-religiösen Grenzen durchzusetzen. Die Intervention in Bosnien-Herzegowina sollte das verhindern. Tatsächlich existiert der Staat Bosnien-Herzegowina aber nach sechs Jahren immer noch nur auf dem Papier. Es gibt ein Protektorat mit diesem Namen und es gibt als Ergebnis des Bürgerkriegs eine faktische Dreiteilung des Landes. War im Vertrag von Dayton noch eine Untergliederung in eine kroatisch-muslimische Föderation und eine Republik der bosnischen Serben vorgesehen, wurde dieses Konstrukt Anfang dieses Monats über den Haufen geworfen: Die kroatische Seite hat die Föderation mit den bosnischen Muslimen aufgekündigt.

Im Frühjahr 1998 war es wieder Deutschland, daß den bisherigen Konsens der imperialistischen Mächte zugunsten einer völkischen Grenzziehung in Frage stellte: Rühe forderte eine Besetzung des Kosovo durch UNO bzw. Nato Truppen. Als das schließlich geschah, nachdem man zuvor Jugoslawien in Schutt und Asche gelegt hatte, konnte das von der UCK, die bei dem Unternehmen die Bodentruppen gestellt hatte, nur als Auftakt für die Unabhängigkeit gewertet werden. Es ist tatsächlich inkonsequent, wenn der Westen bisher davor zurückschreckt und die albanischen Separatisten sind entsprechend unzufrieden.

Die UCK hat ihren Kampf für Großalbanien derweil auf die Pufferzone des Kosovo zu Serbien und Mazedonien ausgeweitet. Die Angriffe auf Serbien wurden vom CIA gefördert - zumindestens solange in der BR Jugoslawien Slobodan Milosevic an der Macht war. Von den vier führenden albanischen Feldkommandeuren, die derzeit die Angriffe auf Mazedonien leiten, wurden zwei von der britischen Spezialeinheit SAS in Guerillataktik ausgebildet - und zwar schon 1988 und 1998.

Nicht nur die mazedonische Regierung, auch die UCK fordert jetzt ein Eingreifen der Nato - und beide machen sich zurecht Hoffnungen in diese Richtung. Denn ausgeschlossen ist es ja nicht, daß die Nato Mazedonien zugunsten eines Großalbanien fallenläßt, statt sich in einen Krieg mit der von ihr trainierten und bewaffneten UCK zu begeben. Die Bundeswehr hat zumindestens schon einmal angefangen ihre Truppen aus dem umkämpften Tetovo ins Landesinnere zurückzuziehen. Krieg aus der Luft führen ist das eine, aber direkt in die Schußlinien möcht man dann doch nicht geraten. Zerfällt Mazedonien, stellt sich die Frage, was aus den nichtalbanischen Teilen werden soll. Schon während der Balkankriege 1912-13 war diese Gegend zwischen Serbien, Bulgarien und Griechenland umkämpft. Im ersten und zweiten Weltkrieg wurden die Grenzen erneut geändert. Der jetzige Staat nennt sich auf Drängen Griechenlands, das eine Provinz mit den Namen Mazedonien besitzt, "ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien".

Die militärische "Befriedung" des Balkans durch die Nato soll die Generalprobe für ein militärisches Eingreifen in den Ölregionen von Kaspischen Meer und Kaukasus sein. Sowohl die SPD wie auch der ehemalige Kriegsminister Rühe haben sich offen zu dieser Zielsetzung bekannt. Auf der anderen Seite schließen sich Rußland und China, die potenziellen Opfer derartiger "Friedensmissionen", zu einer engeren Allianz zusammen. Gelingt es der Nato doch noch, ihre Vorstellungen von einem Frieden auf dem Balkan durchzusetzen, würde sie sich lediglich zu einem weiteren militärischen Ausgreifen ermutigt fühlen.