Solidarität mit griechischem Verweigerer

 

(Destek mailing list - Informationen und Ansichten aus der antimilitaristischen, feministischen und gewaltfreien Basisarbeit in der Türkei, Email vom 3.10.04)

 

 

Liebe Interessierte,

in Griechenland hat sich der Marinesoldat Giorgios Monastiriotis geweigert, sich am Irakkrieg zu beteiligen. Er ist dafür nun zu einer Haftstrafe von 3 Jahren und 4 Monaten verurteilt worden. Anläßlich seiner Verurteilung haben am 23 September rund 30 türkische AntimilitaristInnen vor dem [griechischem] Konsulat in Istanbul protestiert. Sie trugen dabei Transparente mit denen sie auf türkisch und griechisch die Freilassung von Monastiriotis forderten und ihre Solidarität erklärten.

Im Rahmen der Aktion erklärte Ceylan Özerengin ihre Verweigerung sich an Gewalt und Militär zu beteiligen. Sie ist damit eine von einer Reihe von Frauen, die sich in den vergangenen Monaten öffentlich verweigert hatten. Ihre Erklärung im Wortlaut:

"Ich verweigere

Als Frau, als Mutter, als eine Friedensanhängerin, als Antimilitaristin und als Mensch verweigere ich mich der Armee, allen Kriegen, die sie herbeigeführt hat und an denen sie sich beteiligt. Ich verweigere mich der Rüstung, jeder Waffe und jeder Form von Gewalt.

Ich halte es für eine Menschenrechtsverletzung, wenn junge Menschen zum Militär gezwungen werden. Ich verweigere mich grundsätzlich einem System, in dem junge Männer in ihrem besten Alter ohne jedes Wahlrecht in eine Kaserne gezwungen werden, eine Waffe zu tragen, Gewalt anzuwenden, bedingungslosen Gehorsam genauso zu lernen, wie töten und getötet zu werden und als Vorraussetzung dafür mit Hass angefüllt werden.

Ich verweigere mich einer Kultur, die auf Gewalt beruht, die Rekrutierung junger Menschen als ein unumstößliches Gesetz und ewige Wahrheit heilig spricht und als vaterländische Pflicht darstellt.

Ich verweigere mich einem Zwang zur Heuchelei, der junge Menschen dazu bringt nach ihrem Universitätsabschluss zwecks Weiterbildung ins Ausland zu gehen und dort Arbeit und Wohnrecht zu suchen, nur damit sie aus dem Militärdienst entfliehen können, welchen Gründen sie auch immer haben.

Jeder und jede soll leben und sich verhalten können, wie er oder sie es will. Ich glaube, dass das einzig gültige Gesetz der Welt sich aus dem unantastbaren Leben des Menschen herleitet. Ich verweigere mich allem, was an heiligen Pflichten darüber hinaus hergeleitet und uns aufgezwungen wird."

Ceylan Özerengin, 23. September 2004

Die UnterstützerInnen von Monastiriotis haben sich inzwischen gemeldet und den Dank und die besten Wünschen von Monastiriotis an die türkischen Aktivisten überbringen lassen. Die Medien haben das Ereignis trotz großer Präzens von JournalistInnen nicht veröffentlicht.

Herzliche Grüße

Jörg