(Aufruf zur Antikriegsdemonstration
zur Rhein-Main Airbase)
Offener Brief an die Friedensbewegung
Liebe Friedensbewegte,
Erst kürzlich haben wir von der Demo am 3.10. 2002 zu der (bereits weitgehend verlegten) US Airbase am Frankfurter Flughafen erfahren. Zunächst waren wir erfreut und auch bereit, auch in unserem Spektrum für diese Demo zu werben. Doch nach genauerem Lesen des Aufrufs nahmen wir davon Abstand.
In Eurem Aufruf wird mit keiner Silbe der deutsche Militarismus und die daraus resultierende Kriegspolitik kritisiert.
Ausgehend von der Erfahrung und unserer Verantwortung aus den singulären Verbrechen des Nazi-Faschismus an der Menschheit, muss eine Friedensposition in diesem Land auch den Kriegskurs Deutschlands kritisieren, wenn Sie aus der Geschichte gelernt hat.
Ansonsten laufen wir Gefahr für den dt. Nationalismus, der in immer offener Konkurrenz zum US-Amerikanischen steht, instrumentalisiert zu werden (v.a. von den Medien und der Bundesregierung).
Dt. Neonazis z.B. aus der NPD üben sehr ähnliche Kritik an den USA wie in desem Aufruf formuliert. Besonders gut wird ihnen auch das Datum, der Tag der Deutschen Einheit gefallen, sowie die Formulierung von deutschen Boden (siehe auch Unterstützung des Aufrufs von attac und Gewerkschaftsjugend zur Demo am 14.9.2 in Köln sowie die Aufmärsche der NPD gegen die Luftstützpunkte der USA in Landstuhl und Ramstein in den letzten Wochen). Deshalb haben wir die begründete Befürchtung, dass antiamerikanische dt. Nationalisten mit Deutschlandfahnen am Tag der Deutschen Einheit mit Euch zusammen demonstrieren. Ihr lauft also Gefahr durch Euren dritten Aufrufabschnitt mit Nationalisten gemeinsame Sache zu machen und den emanzipatorischen Kern der Friedensbewegung zu verspielen. Wir legen übrigens Wert darauf, nicht in die "antideutsche" Ecke abgeschoben zu werden. Wir möchten diese Kritik solidarisch verstanden wissen und hoffen auf eine Reaktion aus Eurer Nachbereitung heraus!
Wie gedenkt Ihr, mit eventuell auftauchenden deutschtümelnden Nationalisten
umzugehen?
Wir hoffen, wie in den vergangenen 10 Jahren, wieder zu breiten Bündnissen
gegen den Krieg gemeinsam aufrufen zu können!
Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!
Mit solidarischen Grüssen
AntiFa Nierstein
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