„Totaler
Markt – totaler Krieg?“
Aufruf zum
Ostermarsch 2004 in Wiesbaden
|
Samstag, 10. April 2004
Auftaktkundgebung:
10.30 Uhr, am Hauptbahnhof Wiesbaden
Schlusskundgebung:
ca.
13. 00 Uhr, am Rathaus Wiesbaden
|
Immer brutaler wird die Welt den Interessen
des
globalen Kapitalismus ausgeliefert. Möglichst alle Lebensbereiche
sollen unter
neoliberalen Vorzeichen privaten Profitinteressen unterworfen werden.
Unter der
Vorgabe der „Standortsicherung“ wird
auch bei uns ein bisher beispielloser Sozialabbau betrieben: Die sozialen
Sicherungssysteme werden gekappt, Lohnabhängige werden fast beliebig
erpressbar, die sozialen Ungleichheiten wachsen dramatisch. Der
Aggression nach
innen entspricht die Aggression nach außen. Weltweit verschärft sich
der
Konkurrenzkampf. Immer mehr für Produktion und Konsum „untaugliche“
Menschen
sowie ganze Regionen werden sich selbst überlassen. Je nach
Interessenlage
macht man mit den in diesen Regionen Herrschenden Geschäfte, bewaffnet
sie für
die eigenen Zwecke oder bekämpft sie als „Terroristen“. Auf die selbst
erzeugten „Sicherheitsprobleme“ wie zum Beispiel Flüchtlingsströme
reagiert man
mit brutaler Ausgrenzung und militärischer Gewalt. Während das
selbstmörderische System ungebremsten Wachstums unsere Lebensgrundlagen
zu
zerstören droht, wurde zur direkten Kontrolle der schwindenden
Erdölvorkommen
ein illegaler Angriffskrieg geführt.
Die Politik Deutschlands und der EU reiht
sich hier
nahtlos ein. Mit der Verkleinerung der Bundeswehr, dem vorübergehenden
Einfrieren der Rüstungsausgaben und der immer wahrscheinlicher
werdenden
Abschaffung der Wehrpflicht wird uns eine friedliche Ausrichtung der
Bundeswehr
vorgegaukelt. Tatsächlich aber geht es um mehr militärische Effizienz.
Die
Bundeswehr wird verstärkt zu einer weltweit zuschlagenden Truppe
umgerüstet.
Die ohnehin schon hohen Rüstungsausgaben werden bis 2006 lediglich
eingefroren
und sollen dann um jährlich 800 Millionen Euro steigen. Es wird
umgerüstet,
nicht abgerüstet!
Die Verteidigungspolitischen Richtlinien
sehen
Kriegseinsätze zur Absicherung der eigenen wirtschaftlichen Interessen
im
Ausland vor. Dementsprechend fordert der Vorsitzende des
Bundesverbandes der
Deutschen Industrie, Michael Rogowski, die Aufrüstung der Bundeswehr zu
einer
weltweit interventionsfähigen Armee und die „Verzahnung von
Außenhandels- und
Sicherheitspolitik“, begleitet von einer weitgehenden Auflösung
sozialstaatlicher Strukturen und einer das Ganze erleichternden
Verfassungsänderung. Abschaffung des Sozialstaates, Aushebelung der
Demokratie
und weltweite Kriegsführung für Kapitalinteressen gehören also offenbar
eng
zusammen. Mehr als 7.000 deutsche Soldaten sind derzeit im Ausland im
Einsatz.
Während die Armut wächst, soll die Bundeswehr für Auslandseinsätze fit
gemacht,
teuer ausgerüstet und neuerdings auch im Inland eingesetzt werden.
Die Bundesregierung hat sich zwar wegen
andersgelagerter Interessen verbal vom Irakkrieg distanziert, ihn aber
faktisch
unterstützt. Sie stellte ihr Territorium zur Verfügung, die Bundeswehr
bewachte
US-Militäreinrichtungen und entlastete die USA zur See und in
Afghanistan. Die
weltweiten Proteste haben den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen
den Irak
nicht verhindern können. Die Warnungen und Argumente der
Friedensbewegung haben
sich bestätigt. Die vorgeschobenen Kriegsgründe haben sich als dreiste
Lügen
erwiesen. Massenvernichtungswaffen gab es im Irak nicht, der angebliche
Kampf
gegen den Terror hat diesen erst recht heraufbeschworen. Um das
nachträglich
erfundene Kriegsziel „Demokratisierung“ zu erreichen, sind Krieg,
demütigende
Schikanen, Schüsse auf die Zivilbevölkerung und die Ausplünderung des
Irak
durch US-Konzerne ungeeignet – ganz abgesehen davon, dass es
völkerrechtswidrig
ist, einen anderen Staat anzugreifen, um dort das Regierungssystem zu
ändern.
Die USA haben diesen illegalen Angriffskrieg aus wirtschaftlichen und
strategischen Interessen sowie aus ideologischer Verblendung geführt –
ein
gefährlicher Präzedenzfall.
Die ökonomische und militärische Aufrüstung
Europas
ist keine Alternative zur gegenwärtigen US-Dominanz. Der kriegerische
Verfassungsentwurf der EU zeigt, dass auch sie zu den gleichen Mitteln
greifen
will, wenn es ihren Interessen entspricht. Der Entwurf der
EU-Verfassung
schreibt das neoliberale Wirtschaftsmodell fest, und die Kriegspolitik
steht an
zentraler Stelle. Die Pflicht zur ständigen Aufrüstung soll
Verfassungsrang
erhalten! EU-Streitkräfte, z.B. eine 60.000 Mann / Frau umfassende
Interventionstruppe, sollen für weltweite Kampfeinsätze bereitstehen.
Der
Ministerrat, und nicht etwa ein – europäisches oder nationalstaatliches
–
Parlament, soll allein über solche Kriegseinsätze entscheiden. Einzelne
Mitgliedstaaten könnten sich ihnen nicht entziehen, geschweige denn sie
blockieren. Die EU soll zur militärisch agierenden Weltmacht werden,
teils
Seite an Seite mit den USA, teils in Konkurrenz zu ihr. Die
EU-Verfassung hat
Vorrang gegenüber den Verfassungen der einzelnen Mitgliedsstaaten.
Diese
gravierende Verfassungsänderung soll in Kraft treten, ohne dass die
Bevölkerung
bei uns dazu – in einem Referendum – befragt wird.
Wir treten ein für
– die Auflösung der Krisenreaktionskräfte,
den
Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan und allen anderen
Auslandseinsätzen, den
Austritt aus der NATO, die zivile Nutzung von
Militäranlagen und Rüstungsfabriken (Rüstungskonversion);
– ein Europa, das sich dem Krieg verweigert,
den
Verzicht auf EU-Streitkräfte, eine demokratische, soziale und zivile
EU-Verfassung anstelle der bislang geplanten kriegerischen Verfassung
und die
Mitsprache der Bevölkerung dazu;
– den Abzug der Besatzungsmächte aus dem
Irak;
– ein Deutschland, ein Europa, eine Welt ohne
Militär und Krieg;
– die Abschaffung aller Kriegs- und sonstiger
Zwangsdienste, das Ende der Verfolgung von Kriegsdienstverweigerern in
aller
Welt, Asyl für Kriegsdienstverweigerer;
– die Sicherung und Verteidigung sozialer
Errungenschaften und Standards gegen die räuberischen Angriffe von
Staat und
Kapitalmacht und damit selbstverständlich die Rücknahme der Agenda
2010;
– eine gerechte Weltwirtschaftsordnung
anstelle
einer Politik, die Millionen von Menschen zu Armut und Elend verdammt
und die
künftigen Generationen der Lebensmöglichkeiten beraubt.
Es rufen auf:
Friedensinitiative
Mainz; Friedensinitiative Wiesbaden; Deutsche Friedensgesellschaft –
Vereinigte
Kriegsdienstgegner (DFG-VK) Gruppe Mainz und Gruppe Wiesbaden; DKP
Bezirk Rheinland-Pfalz;
Linke Liste (LiLi) Wiesbaden; Medieninitiative Mainz/Wiesbaden
Radio-Quer e.V.;
PDS Kreisverband Mainz-Bingen