Zensurversuch bei Radio "Rheinwelle"?
Erste Sendung von PAZIFISSIMUS nicht ausgestrahlt

[Email der DFG-VK Hessen vom 5. Juni 2002]


Heute, am 5. Juni 2002 hätte von 16 bis 17 Uhr das erste Mal PAZIFISSISIMUS – das antimilitaristische Magazin der Medieninitiative Radio Quer, produziert von DFG-VK Wiesbaden, DFG-VK Mainz und der Friedensinitiative Mainz ausgestrahlt werden sollen. Wie die DFG-VK Hessen erfahren hat, stand der Mitarbeiter von Radio Quer, der das Band ins Studio der "Rheinwelle" bringen wollte, vor verschlossener Tür. Dadurch konnten die Nachmittagssendungen von Radio Quer nicht ausgestrahlt werden.

Die Landesanstalt für privaten Rundfunk hatte der Rheinwelle die Lizenz für das Wiesbadener Lokalradio mit der Auflage erteilt, Anbietern und Mitgliedern von Radio Quer zu bestimmten Zeiten vorrangig Sendezeit einzuräumen. Im Rahmen des Radio-Quer-Programms sollte auch die Sendung PAZIFISSIMUS ausgestrahlt werden. In den vergangenen Wochen hat die Rheinwelle Radio Quer in vielfältiger Weise schikaniert. Sendungen von Radio Quer wurden von der Rheinwelle eigenmächtig verändert, ganz verhindert oder in herabsetzender Weise kommentiert.

Vergangene Woche wurden bei einem Treffen zwischen Radio Quer, Rheinwelle und der hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk einige Streitpunkte geklärt. Auf dieser Basis hätten heute die Nachmittagssendungen von Radio Quer gesendet werden sollen.Noch ist unbekannt, warum die Rheinwelle auch heute wieder dem Radio-Quer-Mitarbeiter keinen Zutritt zum Studio gewährt hat. Ein Missverständnis ist möglich, allerdings aufgrund des bisherigen äußerst feindseligen Verhaltens der Rheinwelle unwahrscheinlich.

Symptomatisch für die Geisteshaltung der Rheinwelle ist der folgende, per E-Mail geschickte Kommentar eines Mitarbeiters der Rheinwelle zu den Sendungen von Radio Quer am 1. Mai.

"-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: Rolf Hierath [mailto:Rolfman@t-online.de]
Gesendet: Samstag, 4. Mai 2002 20:13
An: info@radio-quer.de
Betreff: Eure Homepage/Sendestart

Was macht Ihr für eine Schau? Die Lizenz haben immer noch wir. Es ist schon schlimm genug daß wir Euch überhaupt Sendezeit zur Verfügung stellen müssen. So eine Scheiße wie am 1. Mai von Euch kam will kein Mensch hören. Die reine Hetze. Wenn es Euch hier nicht paßt müßt Ihr Euch eben ein anderes Land suchen, es zwingt Euch niemand hierzubleiben."

Eine der Sendungen am 1. Mai, die Sendung zum Ostermarsch, wurde von einem Mitarbeiter von PAZIFISSIMUS produziert. Von daher ist auch die DFG-VK, die pazifistische Sendungen produziert, ebenfalls Adressatin dieser hasserfüllten E-Mail. Die DFG-VK-Gruppen Mainz und Wiesbaden haben sich 1996/97 bewusst für die Anbietergemeinschaft von Radio Quer entschieden und abgelehnt, der Anbietergemeinschaft der Rheinwelle beizutreten. Die E-Mail des Rheinwellen-Mitarbeiters zeigt , dass die Rheinwelle ihre damalige Phobie gegenüber politischen Meinungen außerhalb des etablierten Parteienspektrums nicht aufgegeben hat. Es handelt sich offensichtlich auch nicht um die Entgleisung eines einzelnen Mitarbeiters der Rheinwelle. Diese E-Mail deckt sich mit den Äußerungen, die 1996/97 von der Rheinwelle zu hören waren. Dass die Rheinwelle sich weigert, Radio-Quer-Sendungen auszustrahlen und eigenmächtig in Sendungen eingreift, können wir nur als praktische Umsetzung der in der E-Mail offenbarten Feindseligkeit interpretieren. Die DFG-VK sieht sich in ihrer Entscheidung, bei Radio Quer und nicht bei der Rheinwelle zu senden, bestätigt. Bei einem Radiosender, der es für "schlimm genug" hält, dass wir auf seiner Frequenz senden dürfen, und der Sendungen, wie wir sie produzieren, als "Hetze" verunglimpft, sind wir eindeutig nicht willkommen. Dass wir von einem Rheinwellenmitarbeiter als Andersdenkende aufgefordert werden, das Land zu verlassen, halten wir für ungeheuerlich. Hier zeigt sich ein Gedankengut, dem demokratische Werte wie Toleranz, Meinungsfreiheit und Pluralismus fremd sind und das der Idee der nicht-kommerziellen Lokalradios krass widerspricht.

Die Fertigstellung der für heute vorgesehenen Sendung hat viel Zeit und Mühe gekostet. Es ist sehr bedauerlich, dass sie heute ebenso wie die anderen für den Nachmittag angekündigten Sendungen von Radio Quer nicht zu hören war. Nach unserem Informationsstand haben die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von PAZIFISSIMUS und von Radio Quer alles Notwendige getan, um die Ausstrahlung zu ermöglichen.