Urteile gegen Totale
Kriegsdienstverweigerer:
DFG-VK-Bundessprecher Monty
Schädel kritisiert "Unrechtscharakter der Gesetze"
(Email der DFG-VK (Bundesverband) vom
14.1.2004)
Als "Anachronismus" wertet Monty Schädel, Bundessprecher
der DFG-VK, die heutigen Verurteilungen von Kriegsdienstverweigerern
durch die
Amtsgerichte Dresden und Ueckermünde.
In Dresden wurde der heute
28jährige Andreas Schumann vom Amtsgericht zu einer
Bewährungsstrafe
verurteilt. Er war für den 1. Januar 2003 zur Bundeswehr
einberufen worden, hat
aber den Dienst niemals angetreten.
Das Amtsgericht Ueckermünde
verurteilte Ringo Ehlert zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu
je 40 Euro
wegen des gleichen Vorwurfs. Er war der Einberufung ebenfalls nicht
gefolgt,
wurde aber von Feldjägern festgenommen und musste 66 Tage in
Einzelarrest
verbringen, ehe er aus der Bundeswehr entlassen wurde.
Einen Antrag auf Anerkennung
als Kriegsdienstverweigerer hatten beide nicht gestellt, da dieser sie
zivildienstpflichtig gemacht hätte. "Für konsequente
Kriegsdienstgegner
ist der Zivildienst keine Alternative", erläutert der
DFG-VK-Sprecher
Schädel: "Der Unterschied zwischen Zivildienst und Wehrdienst ist
vor
allem eine Frage des Einsatzortes. Militärisch relevant sind sie
beide:
Zivildienstleistende bilden eine feste Größe im Konzept der
so genannten
Gesamtverteidigung und sind dafür vorgesehen, im Kriegsfall
Handlangerdienste
fürs Militär zu leisten".
Die gängige Verurteilung
Totaler Kriegsdienstverweigerer, "die aus Gewissensgründen
sämtliche
Varianten staatlichen Kriegsdienstes verweigern", bezeichnet
Schädel, der
Ende der 90er Jahre selbst mehrere Wochen im Bundeswehr-Arrest
zubrachte, als
"skandalös".
Im Hinblick auf die aktuelle
Diskussion um die mögliche Abschaffung von Wehr- und Zivildienst
äußert Monty
Schädel:
"Die Tatsache, dass
heute kaum ein Politiker noch vom Sinn der Wehrpflicht überzeugt
ist,
Wehrpflichtverweigerer aber immer noch verfolgt werden, verschärft
den
Unrechtscharakter der bestehenden Gesetze". Es könne von jungen
Männern
nicht erwartet werden, sich widerstandslos in einen militarisierten und
offenbar sinnlosen Zwangsdienst pressen zu lassen.
Der Bundessprecher
bekräftigt die Forderung der DFG-VK nach Abschaffung der
Wehrpflicht. "Das
ist kein Plädoyer für eine Berufsarmee, sondern ein
Plädoyer dafür,
Zehntausende junger Männer nicht mehr dem militaristischen Ungeist
auszusetzen.
Dies muss ein erster Schritt hin zu radikaler Abrüstung sein", so
Schädel.
Frank Brendle
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit