War Resisters' International (WRI): Aufruf an alle
AntimilitaristInnen und PazifistInnen zur Beteiligung am Europäischen
Sozialforum (Juli 2004)
(Quelle:
Email der DFG-VK Hessen vom 4.8.2004)
Aufruf an alle AntimilitaristInnen und PazifistInnen zur Beteiligung am Europäischen Sozialforum Radikaler Wandel wird nicht durch Regierungen ausgehandelt, er kann nur durch Menschen erzwungen werden.
Wir
müssen der globale Widerstand gegen die Besatzung werden. Unser Widerstand muss
damit beginnen, dass wir uns weigern, die Besetzung Iraks durch die USA als
legitim zu betrachten. Das bedeutet Handeln, um es dem Imperium in der Praxis
unmöglich zu machen, seine Ziele zu erreichen. Es bedeutet, Soldaten müssen
sich weigern zu kämpfen, Reservisten sich weigern, eingezogen zu werden,
Arbeiter sich weigern, Schiffe und Flugzeuge mit Waffen zu beladen. Ich schlage
vor, dass wir ... zwei Großunternehmen auswählen, die von der Zerstörung Iraks
profitieren. Wir könnten jedes Projekt, an dem sie beteiligt sind, erfassen.
Wir könnten ihre Büros in jeder Stadt und in jedem Land der Welt ausfindig
machen. Wir könnten hingehen und sie zumachen. Die Frage ist, ob wir unser
kollektives Wissen und die Erfahrungen der vergangenen Kämpfe für ein einzelnes
Ziel nutzbar machen wollen. Die Frage ist, ob wir gewinnen wollen. Arundhati
Roy auf dem Weltsozialforum, Mumbai, 16. Januar 2004 [1]
Die
War Resisters' International (WRI), das weltweite Netzwerk von PazifistInnen
und AntimilitaristInnen mit 80 Mitgliedsgruppen in 40 Ländern, ruft alle seine
europäischen Mitglieder und andere friedensbewegte Gruppen auf, am Europäischen
Sozialforum (ESF) in London vom 14. bis 17. Oktober 2004 teilzunehmen, als
PazifistInnen und AntimilitaristInnen zum ESF zu mobilisieren, sich in der
Diskussion vor und auf dem ESF zu engagieren, durch die aktive Teilnahme, durch
die Beantragung von Workshops und Seminaren im Rahmen des ESF oder parallel
dazu und auf viele andere Arten. Auf dem Weltsozialforum in Mumbai im Januar
2004 machte Arundhati Roy einen sehr konkreten Vorschlag für gewaltfreien
Widerstand gegen Krieg und Imperialismus. Ein halbes Jahr später sind diese
Vorschläge aktueller als je - und werden in größerer Breite nicht befolgt. Die
WRI hofft, dass das ESF, das in London vom 14. bis 17. Oktober 2004
stattfindet, eine Gelegenheit bietet, den Faden von Mumbai wieder aufzunehmen -
und unseren gewaltfreien Widerstand gegen das "Imperium" (Arundhati
Roy) zu entwickeln. Das WRI-Netzwerk aus antimilitaristischen und
pazifistischen Gruppen hat hier viel anzubieten - eine reiche Erfahrung des
gewaltfreien Widerstandes und der gewaltfeien Strategien. Die WRI diskutiert
momentan, wie man den Anruf von Arundhati Roy aufnimmt und entwickelt eine
Kampagne gegen Kriegprofiteure, die sie auf dem ESF 2004 vorstellen wird. Das
ESF 2002 in Florenz initiierte die wichtigsten Demonstrationen der Bewegung
gegen den Krieg im Irak - die globalen Demonstrationen am 15. Februar 2003, mit
mehr als 10 Millionen Teilnehmern weltweit. Der ESF 2003 erklärte: "Wir
marschieren für ein Europa, das den Krieg verweigert" - und rief die
Europäer auf, gegen Neoliberalismus und Krieg zu mobilisieren. [2] Jedoch bis
jetzt sind Beiträge von AntimilitaristInnen und PazifistInnen innerhalb des ESF
nicht sehr sichtbar. Im August 2001, nach der gewalttätigen Unterdrückung von
Protesten auf dem G8-Gipfel in Genua, erklärte die WRI, "dass die ökonomische
Ungerechtigkeit, die das Ergebnis der Globalisierung ist, eine der Ursachen von
Krieg und bewaffnetem Konflikt ist. [3] Besonders nach dem 11. September 2001
müssen die Bewegungen gegen Krieg und für soziale Gerechtigkeit viel enger
zusammenarbeiten, um gegen Gewalttätigkeit zu kämpfen. Der Prozess der
Sozialforen ist ein wichtiger Ort, an dem diese Bewegungen sich treffen und
ihre Erfahrungen und Strategien diskutieren können. Es ist an uns als
AntimilitaristInnen und PazifistInnen die Gelegenheit zu nutzen, die sich durch
das ESF bietet, und sich als PazifistInnen für ein anderes Europa zu
engagieren. Die WRI zielt darauf ab, antimilitaristische und pazifistische
Aktivitäten auf dem ESF zu koordinieren, die ihre Mitglieder und andere
befreundete Gruppen organisieren. Die WRI wird auch selbst und in
Zusammenarbeit mit ihren Mitgliedern Workshops anbieten [4] und wird Ressourcen
und Öffentlichkeit für antimilitaristische und pazifistische Beiträge zum
ESF-Prozess zur Verfügung stellen. Kommt nach London! Macht das ESF 2004 zu
einem wichtigen Ereignis für die europäische pazifistische und
antimilitaristische Bewegung!
War Resisters' International, Juli 2004