Die Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Marburg begrüßt die lange überfällige Einweihung des Marburger Deserteursdenkmals am 1. September 1999. Ebenso erfreulich ist, daß aus diesem Anlaß der Antikriegstag im Historischen Saal des Rathauses begangen werden soll.
Die DFG-VK Marburg weist jedoch darauf hin, daß die Teilnahme von Ulrike Kober und Egon Vaupel an diesen Ereignissen eine fragwürdige Angelegenheit ist. Beide repräsentieren Parteien, die einen Kriegseinsatz der Bundeswehr zu verantworten haben. Beide repräsentieren Parteien, die dort, wo sie die Regierung stellen, die andauernden Abschiebungen von Deserteuren und Kriegsdienstverweigerern in Kriegsgebiete, etwa die Länder des ehemaligen Jugoslawien oder die Türkei, zu verantworten hatten und haben.
Weder Frau Kober noch Herr Vaupel haben sich von der Kriegspolitik, die Grüne bzw. SPD zu verantworten haben, öffentlich distanziert. Keiner von ihnen hat öffentlich etwas gegen die unsägliche und demagogische Gleichsetzung der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik mit den Kriegen auf dem Balkan einzuwenden gehabt. Von keinem der beiden ist ein nennenswerter Einsatz für das Asylrecht für Kriegsdienstverweigerer und Deserteure bekannt.
Wenn Frau Kober und Herr Vaupel nun anläßlich des Antikriegstages ein Denkmal für Deserteure einweihen, ist das vor dem skizzierten Hintergrund nur als ein Akt politischer Heuchelei zu bewerten. Mit einer symbolischen Handlung wird hier von der tatsächlichen Politik von Grünen und SPD abgelenkt.
Die Deserteure des Zweiten Weltkriegs haben es nicht verdient, zu Objekten
der Wahlwerbung von Grünen und SPD gemacht zu werden. Die DFG-VK Marburg
fordert Ulrike Kober und Egon Vaupel auf, am 1. September zu schweigen.