Diese Erklärung wurde von New York City aus verfasst
Jeder hier ist von den heutigen Ereignisse zutiefst betroffen worden. Das International Action Center bekundet seine herzliche Anteilnahme allen, die liebe Angehörige verloren haben, wie auch den Tausenden von Arbeitern, die heute im unteren Manhatten waren.
Während in diesem Augenblick Tausende von Familien um Tod und Wunden ihrer Lieben trauern, ist die Bush-Regierung schon dabei, aus den tragischen menschlichen Verlusten ihren Vorteil zu schlagen, um die Kräfte der Repression aufzurüsten und gleichzeitig den Kriegskurs des Pentagon, besonders im Mittleren Osten, zu intensivieren.
Arabische und muslimische Menschen in den Vereinigten Staaten berichten, dass sie in ihren Wohngemeinden, am Arbeitsplatz und in Moscheen rassistischen Belästigungen ausgesetzt sind. Der anti-arabische Rassismus ist ein Gift, das entschieden zurück gewiesen werden sollte. Wir rufen alle dem Rassismus Widerstand leistenden Menschen dazu auf, mit der arabisch-amerikanischen Gemeinde angesichts dieser reaktionären Raserei Schulter an Schulter zu stehen.
Nach der Bombardierung des Bundesgebäudes in Oklahoma City 1995 waren die US-Regierung und die Medien schnell bei der Hand, über die Verantwortung arabischer und muslimischer Organisationen zu spekulieren; tatsächlich war, wie jeder weiß, der rechtsextreme Armeeveteran Timothy McVeigh dafür verantwortlich zu machen.
Neue Kriegsgefahr
Das International Action Center beschwört alle Kriegsgegner und fortschrittlichen Menschen, äußerst wachsam zu sein im Widerstand gegen die Pläne der Bush-Regierung und des Pentagon, diese Krise als Sprungbrett für eine neue Runde der Aggression gegen die Dritte Welt, insbesondere gegen die Menschen des Mittleren Ostens auszunutzen.
Im August 1998 richtete das Pentagon mörderische Cruise-Missile-Lufschläge gegen eine pharmazeutische Fabrik im Sudan ohne irgendwelche Beweise, angeblich zur Vergeltung für die Bombardierung der US-Botschaft in Kenia. Die Cruise Missiles zerstörten die Al Shifa Arzneimittelfabrik, die den Großteil des Sudan mit Medikamenten versorgte. Tausende afrikanischer Menschen gingen als direkte Folge der Bombardierungen des Pentagon zugrunde.
Präsident Ronald Reagan befahl die Invasion in Grenada in der Karibik, kurz nachdem eine Lastwagenbombe in der Nähe eines US-Marinestützpunktes im Libanon 1983 explodierte. Unter Bush senior wurden 2000 Einwohner Panamas mitten in der Weihnachtsnacht 1989 unter dem Vorwand des Krieges gegen Drogen getötet.
Wegen einer Explosion in einer Diskothek in Deutschland 1986, für die zunächst auf Syrien, Iran und einige palästinensische Organisationen gezeigt wurde, bombardierten US-Flugzeuge Tripoli und Benghazi in Libyen. Hundert von Zivilpersonen, darunter Kinder, starben im Schlaf, als die US-Luftwaffe diesen heimtückischen nächtlichen Überfall ausführte.
Wir bitten Aktivsten und Menschen dieses Landes, sich für Proteste gegen neue Pentagon-Aggressionsakte im bevorstehenden Zeitabschnitt bereit zu halten.
Die Bush-Regierung will die gegenwärtige Krise ausnutzen, um eine weitere Erhöhung des Kriegshaushalts des Pentagon zu rechtfertigen, und zwar zu Lasten der Mittel für Wohnung, Erziehung, Gesundheit, Arbeitsbeschaffung und andere menschliche Bedürfnisse.
Gefahr weiterer staatlicher Repression
Landesweit riegeln nun Militär, FBI und örtliche Polizei weite städtische Gebiete ab, blockieren Brücken, Tunnel und Straßen und mobilisieren eine massive Präsenz von Polizei und Nationalgarde. All dies zeigt ein fortgeschrittenes Stadium der Planung für innenpolitische Repression, die gegen fortschrittliche Bewegungen und Arbeitskämpfe sowie gegen die Bevölkerung der Schwarzen, Latinos, Asiaten, Araber und andere unterdrückte Gemeinschaften eingesetzt werden kann.
Um so mehr besteht Grund zum Widerstand gegen die derzeitigen Anstrengungen, unter dem Deckmantel der laufenden Krise die polizeilichen Maßnahmen zu verschärfen.
Schafft Solidarität
Die Menschen von New York City und des ganzen Landes dürfen der Bush-Regierung und dem Pentagon nicht gestatten, mit den echten Gefühlen des Schocks und Zweifels ihr Spiel zu treiben, um reaktionäres Verhalten aufzustacheln und die Kräfte der Repression zu stärken. Damit ist nicht den arbeitenden und unterdrückten Menschen dieses Landes oder irgend eines Landes geholfen.
Der einzige Antwort auf die heutigen Ereignisse besteht darin, den Familien und Freunden derer, die im World Trade Center und Pentagon zugrunde gingen oder verwundet wurden, Solidarität zu erweisen, globale Solidarität mit Menschen zu schaffen, die weltweit gegen Krieg, Armut und Ausbeutung kämpfen, und die Bewegung des Protestes gegen neue Aggressionsakte des Pentagon zu vertiefen.
New York, 11. September 2001