UCLJIK - albanische Gewaltseparatisten bilden neue »Armee«
(aus: "junge Welt" vom 7.9.2001)
In Südserbien gibt es mit der UCLJIK eine neue albanische Terrorgruppe. Ausgebildet und trainiert werden die Gewaltseparatisten ausgerechnet im UN-Protektorat Kosovo. In den Jahren 1998 und 1999 wurde die albanische Terrororganisation UCK (»Kosovo-Befreiungsarmee«) ihrem Namen entsprechend als Befreiungsbewegung dargestellt. Die Weltöffentlichkeit machte den damaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic und dessen Regierung in Belgrad für den Kosovo-Konflikt verantwortlich. Seit dem 5. Oktober 2000 ist Milosevic nicht mehr an der Macht. Doch bereits im Dezember des vergangenen Jahres hatte die regierende »Demokratische Opposition Serbiens« (DOS) mit der albanischen Untergrundgruppe »Befreiungsarmee von Presevo, Medvedja und Bujanovac« (UCPMB) in Südserbien zu kämpfen. Verantwortlich gemacht für die Auseinandersetzungen wurden damals die Nachwirkungen der Politik von Milosevic. Der Aufstand wurde im Juni schließlich mit Hilfe der NATO per Abkommen beendet.
Heute versuchen die mazedonische Armee und Polizeikräfte, mit militärischer Unterstützung der NATO, den monatelangen Krieg mit der albanischen Terrororganisation »Nationale Befreiungsarmee« (UCK) zu beenden. Die NATO selbst hat mehrere tausend Soldaten nach Mazedonien entsandt, um 3 300 Waffen der dortigen UCK einzusammeln.
In Südserbien braut sich unterdessen neuer Ärger zusammen. »In der Kosovo-Stadt Gnjilane wurde eine neue Terrorgruppe gebildet, die sich Befreiungsarmee für Ostkosovo (UCLJIK) nennt«, konstatiert der militärpolitische Analyst und UCK-Experte Milovan Drecun. »Sie geht auf die alte südserbische UCPMB zurück, hat aber das Ziel, in weitaus größeren Gebieten zu operieren als nur den drei südserbischen Bezirken Presevo, Medvedja und Bujanovac.« Nur zögerlich ist die Belgrader Presse bereit, über die ganze Sache zu berichten. Warnende Worte über die Situation in Südserbien sind nur selten zu hören, und wenn sie zu hören sind, werden sie ignoriert.
Zoran Vitas, der seit August 1999 in der zivilen UN- Verwaltung im Kosovo (UNMIK) arbeitet, bestätigt die Aussagen Drecuns. »Die UCLJIK existiert tatsächlich. Sie steht unter dem direkten Befehl der früheren Chefs der Kosovo-UCK, Hashim Thaci und General Agim Ceku«, erklärt Vitas gegenüber junge Welt. Sowohl UNMIK wie die NATO-geführten Kosovotruppen (KFOR) wüßten über deren Aktivitäten bestens Bescheid, gäben sich aber unfähig, sie zu unterbinden. »Sefcet Musliju, Halil Selimi, Mustafa Saciri und Nasir Aziri stehen hinter der neu gebildeten UCLJIK«, so Vitas. Diese seien keine Unbekannten in der Szenerie Südserbiens. Sie standen dem politischen Arm der früheren UCPMB vor, mit dem die Belgrader Führung und deren Unterhändler, Nebojsa Covic, verhandelten. Im Juni hatten sie zusammen mit Vertretern der NATO die »Demilitarisierung« der albanischen Gewaltseparatisten vereinbart.
Auch Skender Ljatifi, ein albanischer Journalist aus Presevo, weiß über die neue Terrorgruppe einiges zu berichten: »In der Nacht zum Dienstag explodierte in Bujanovac eine Zeitbombe, die unter einem serbischen Polizeijeep plaziert war. Zum Glück kam niemand ernsthaft zu Schaden.« Weder wisse man bisher, wer die Bombe gelegt habe, noch hätte irgendeine terroristische Gruppe die Verantwortung für die neue Attacke im Presevo-Tal übernommen. »Wie auch immer, die Menschen hier haben keinen Zweifel, daß Musliju und seine Männer wieder aktiv sind - ob sie sich selbst nun UCLJIK nennen oder nicht, ist dabei völlig irrelevant«, meint Ljatifi.
»Nicht einmal der größte Ignorant kann länger
die Existenz der 'Albanischen Nationalen Armee' (ANA) negieren, die gleichzeitig
die UCK, die UCPMB, die UCLJIK sowie das Kosovo-Schutzkorps (KPK) ist«,
erklärt der Publizist Tomislav Kresovic. In einer Analyse für
die Zeitung Glas Javnosti beschreibt Kresovic die Methoden, Strukturen
und Ziele der verschiedenen Fraktionen innerhalb der albanischen Terrorbewegungen
auf dem Balkan. »Das Überleben der albanischen Gewaltseparatisten
hängt mehr und mehr davon ab, eine gemeinsame Dachorganisation zu
bilden. Diese hätte die Funktion, ein gemeinsames Ziel zu erreichen
- das Projekt einer albanischen Balkanföderation«, meint Kresovic.
»Konzept der 'Albanischen Nationalen Armee' ist die Radikalisierung
des Konflikts. Ziel ist die direkte Einflußnahme auf albanische politische
Parteien in Südserbien, Mazedonien, Kosovo und Metohija, Albanien
und später auch Montenegro sowie Griechenland«, schlußfolgert
Kresovic.