DFG-VK überlebt Bundeswehr

(Quelle: Kursbuch "Das gelobte Land", Heft 141, Berlin, September 2000)


Aus Anlaß des 10. Jahrestags der sogenannten "Wiedervereinigung" setzte sich das Kursbuch im September des Jahres das bemerkenswerte Thema "Das gelobte Land". Darin nörgelt u.a. Hans Magnus Enzensberger, ehemals Begründer des Kursbuches, herum, daß in Deutschland Autoren, die über Deutschland schreiben, zu sehr herumnörgeln. Denn schließlich gebe es bei uns auch Vorzüge, "...als da sind um nur diejenigen zu nennen, die mir gerade einfallen: die phantastische Auswahl an rohen und gekochten Schinken, die stets geöffneten Tankstellen, der brave Buchhändler an der Ecke, der wild blühende Frauenschuh und die jederzeit erreichbare Telefonfürsorge." (S. 4)

Ein anderer Beiträger, Jörg Lau, Jahrgang 1964 und Mitarbeiter der "ZEIT", erinnert sich seiner frühen Jahre und gibt dabei in seinem Artikel "Das kritische Bewusstsein im besten Land der Welt" eine Einschätzung zu unserem Verband wider, die immerhin beachtlich ist:

"Den Wehrdienst zu verweigern war eine Art Ehrensache, eine Selbstverständlichkeit. Man paukte Argumente für den Auftritt vor der Kommission - es gab damals ja regelrechte Schulungsprogramme für diese Gelegenheit, zum Beispiel bei der 'DFG-VK', einer ungewöhnlich zähen Organisation, die bis heute besteht und wohl auch noch den Wehrdienst und die Bundeswehr überleben wird. Meist lagen der Entscheidung keine weitreichenden Überlegungen zugrunde: Es war schlicht undenkbar, zur Bundeswehr zu gehen. Man tat das einfach nicht. Punkt.
Die französischen Austauschschüler, denen man mit seinem Pazifismus beflissen in den Ohren lag, fanden diese Haltung kurios, vielleicht sogar ein bisschen widerlich, wie es im Rückblick scheinen will. Als deutscher Friedensfreund wiederum fühlte man sich mit seinen bei der 'Deutschen Friedensgesellschaft' - welch ein Name! - aufgeschnappten Argumenten den Franzosen überlegen. Man ließ es sie aus Gründen des Taktes nicht spüren." (S. 86 f.)