Am Montag um 16.33 Uhr war es beschlossene Sache. Nachdem bereits am vergangenen Donnerstag auf einem Koordinationstreffen im Auditorium Maximum der Philipps-Universität von Studierenden aus zahlreichen Fachbereichen der Wille zu Streiken bekundet wurde, entschied sich die Studentische Vollversammlung heute für den Streikbeginn. Damit schließt sie sich den Fachbereichen Heil- und Sonderpädagogik und Ägyptologie an, die sich aus Protest gegen Zusammenlegung mit Gießen bzw. Streichung bereits am Donnerstag zum Streiken entschlossen hatten.
Mit einem ersten Forderungskatalog wenden sich die Studierenden an die
Öffentlichkeit. Sie bringen darin ihren Protest gegen katastrophale
Studienbedingungen, den Entwurf für ein neues Hessisches Hochschulgesetz
sowie die geplanten Novellierungen des Bundesausbildungsförderungsgesetzes
und des Hochschulrahmengesetzes zum Ausdruck, die als weiterer Angriff
auf die sozialstaatlichen Komponenten der Gesellschaft gesehen werden.
In der folgenden Zeit sollen diese Forderungen konkretisiert und ausgeweitet
werden.
Hinzu kommen zahlreiche Aktionen und die Demonstration gegen die derzeitigen
Studienbedingungen und die Novelle des Hessischen Hochschulgesetzes am
kommenden Mittwoch in Wiesbaden, zu der auch die Marburger Studierenden
aufrufen.
Die studentische Vollversammlung bekräftigte ihre Solidarität
mit den Streikenden in Gießen und Bremen und rief auch die Studierenden
anderer Hochschulen im gesamten Bundesgebiet zu Streikmaßnahmen auf.
Dokumentation der Erklärung der studentischen Vollversammlung
vom 10.11.1997:
Erklärung der studentischen Vollversammlung vom 10.11.1997
unterstützt vom AStA Marburg
Warum wir streiken:
Die Ausweitung von Wettbewerb auf alle gesellschaftlichen Ebenen, die
Standortpolitik und die massiven Kürzungen im Sozialbereich sind Schlagworte,
die Ausdruck des politischen Klimas der letzten Jahre sind. Eine endlose
Reihe von radikalen Verschlechterungen, wie zum Beispiel die Kürzung
von Leistungen für Arbeitslose, Sozialhilfeberechtigte und AsylbewerberInnen
sowie von Renten, und die Aushöhlung des Kündigungsschutzes,
sind bereits umgesetzt.
Teile dieser Entwicklung spüren wir auch an den Hochschulen. Die
Kürzungspolitik der Länder im Bildungsbereich, das von den KultusministerInnen
vorgeschlagene Bafög-Modell und die Debatte über Studiengebühren
gehören in den Zusammenhang des Angriffs auf die sozialstaatlichen
Komponenten dieser Gesellschaft.
Forderungen:
Im Auftrag der Streikenden an der Philipps-Universität Marburg
Arbeitskreis Medien und Presse
Kontakt Infotelefon 0 64 21 / 17 03 16
Fax 0 64 21 / 17 03 33
Email Asta@stud-mailer.uni-marburg.de
URL http://stud-www.uni-marburg.de/~Asta/protest/