Am zweiten Tag beginnt sich der Streik an der Gesamthochschule Kassel zu organisieren. Von den 20 Fachbereichen der Universität streikt die Hälfte, die meisten anderen planen für Morgen und Montag Abstimmungen über die Teilnahme. Ein Großteil der Hörsäale und Seminarräume blieb heute geschlossen, die Veranstaltungen mußten abgesagt werden. Besonders kreativ zeigte sich der Fachbereich Anglistik/Romanistik, der eine Vorlesung kurzer Hand in den Kulturbahnhof verlegte.
Viele Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter sowie einige Dekane solidarisieren sich offen mit den Forderungen der Studentinnen und Studenten nach adäquaten Studienbedingungen, dem Erhalt der Reform-Universität sowie aller Fachbereiche und Studiengänge. Von Schließungen bedroht sind insbesondere die Fachbereiche Musik, Theologie, Chemie, Berufspädagogik, Produktdesign, Arbeit und Technik sowie Soziale Therapie. Viele dieser Studiengänge sind in ihrer Art in Deutschland einzigartig und prägten das Bild der Gesamthochschule Kassel als Reform-Universität.
Darüberhinaus drohen der Kasseler Universität erhebliche personelle Kürzungen, obwohl hier schon seit Jahren große Defizite entstanden sind. Dabei zeigt sich immer mehr, daß es den Studierenden längst nicht nur um ihre eigenen, schlechten Studienbedingungen, überfüllte Hörsäale und Seminare, Unterausstattung und die Unmöglichkeit eines schnellen Studiums, geht, sondern um den Stand der Bildung insgesamt.
Die überwiegende Mehrheit der Kasseler Bevölkerung unterstützte in einer von den Studnten durchgeführten Kurz-Umfrage den Streik an der GhK. Fast 80% der Befragten bewerten das Engagement als positiv, lediglich 2% haben kein Verständnis für die Situation der Studierenden.
Auch morgen wird der Streik an der Universität fortgesetzt. Mit einem Basketballspiel von Studierenden und Professoren des Fachbereichs Sport von 9 bis 13 Uhr auf dem Friedrichsplatz möchten die Studierenden in der Öffentlichkeit auf die Bildungsmisere an der GhK und den anderen deutschen Hochschulen aufmerksam machen.